Lang, lang ist es her, dass der Simmerstatter das letzte Mal etwas gebloggt hat. Das hat einen simplen Grund: ich bin sprachlos. Sprachlos was sich derzeit in diesem schönen Land abspielt. Vor allem in der Politik.
Heute ist mir schon in aller Herrgottsfrüh der Hut hochgegangen. Was müsste ich da lesen? „Streit ums Heer eskaliert • Grüne kritisieren: „400 Wehrpflichtige müssen die Eurofighter-Hallen bewachen“. Im Text kommt es noch knüppeldicker-: „Gegen ein Festhalten an der Wehrpflicht liefern die Grünen neue Argumente: So erhalten jährlich 400 Präsenzdiener den Befehl, die Eurofighter-Hallen in Zeltweg zu bewachen.“
Na hoffentlich! Jeder Jäger muss seine Waffen sicher verwahren und vor unerlaubten Zugriffen sichern, dann wird das hoffentlich auch für unser Bundesheer gelten. Es sollte eigentlich auch den Grünen einleuchten, dass eine Halle in der Fluggerät im Wert von 2. Mrd. Euro parkt, das noch dazu mit allerlei schweren Waffen bestrückt ist, rund um die Uhr bewacht werden muss. Und da das Jahr bekanntlich 365 Tage hat und die Halle hoffentlich jeden Tag bewacht wird, werden über das Jahr, wenn nur ein Präsenzdiener die Halle bewacht, ziemlich genau 365 dafür notwendig sein. In Schaltjahren sogar 366! Grün-kaufmännisch-gerundet mach das dann 400.
Es geht aber noch dümmer: „Während in der gleichen Zeit (einem Jahr, Anm.) nur 115 Wehrpflichtige zu Panzergrenadieren und 1306 zu Infanteristen ausgebildet werden, müssen 400 Präsenzdiener ihren Dienst als „Nachtwächter“ am Flughafen in Zeltweg absitzen und dort 15 Eurofighter bewachen.“ Dümmer geht’s nimmer!
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Das wäre ja so als würde ich sagen: „Während ich an 365 Tagen meine Wohnungstüre absperre und darauf achte, dass mein Laptop nicht geklaut wird, besuchen meine Kinder an nur rund 170 Tagen die Schule.“ Frei nach Grün: „Dem Simmerstatter ist die Bildung seiner Kinder weniger wert als sein Laptop!“ Nur: was hat (in beiden Fällen) das eine mit dem anderen zu tun?
Abgesehen von der dummen Argumentation regen mich zwei Umstände an der Grünen Wehrpflicht-Geschichte besonders auf: Erstens, dass durch solche Argumente die Österreicher in Bausch und Bogen für ziemlich dumm verkauft werden. Jeder, der halbwegs 1 + 1 zusammenzählen kann, kann diese Geschichte leicht widerlegen. Dennoch wird so ein Blödsinn öffentlich medial kundgetan. Zweitens: erleiden durch solche und ähnliche Dummheiten unserer Politiker und unsere Demokratie einen Kollateralschaden sondergleichen.
Der Gerechtigkeit halber muss ich aber auch gestehen, dass die Grünen bei weitem nicht die einzigen sind, die die Österreicher für derart dumm verkaufen. Im Gegensatz zu anderen überrascht es bei den Grünen aber doch einigermaßen, wenn sie zu solch dummen Argumenten greifen nur um sich einem potentiellen Koalitionspartner (oder gar einem Massenmedium?) anzubiedern.
Ein anderer dem zurzeit nichts zu dumm ist, ist Frank Stronach. Der zieht momentan wie der Rattenfänger von Hameln mit einigen Wendehälsen durchs das Land und spielt dabei auch geschickt am Klavier von Vorurteilen, Populistischen Stammtisch-Geplärre und schlechtem Benehmen. Natürlich geht es auch bei ihm in erster Linie gegen die EU. Dass er und sein Firmenimperium von der gemeinsamen Währung, offenen Grenzen etc. am meisten profitiert haben, das macht gar nix. Ebenso wenig wie sein Motto: „Wer das Geld hat macht die Regeln“. Interessanterweise kommt Stronach damit just bei jenen die von dem am allerwenigsten haben besonders gut an.
Überhaupt scheint Wasser zu predigen und Wein zu trinken zur neuen Ideologie zu werden. Stronach ist nur ein Beispiel dafür. Zwei andere sind Josef Bucher und Stefan Petzner. Vor allem letzterer schreit heute am lautesten „Haltet den Dieb“, obwohl er einst am engsten mit Jörg Haider zusammengearbeitet hat und maßgeblich am System Haider mitgebaut hat. Kümmert es wen? Nein!
Mir würden noch viele einfallen die eifrig am Niedergang unserer Demokratie mitarbeiten. Die durch Wendehalsigkeit, Rückgratlosigkeit, Vorstrafen, Voruntersuchungen, Erhebungen, das Versprühen von Gift und Galle, Lügen und Betrügen, das Brechen von in Stein gemeißelten etc. auffallen. Und das beschränkt sich gar nicht nur auf die Politik.
Hoffentlich finden wir schnell wieder zu einem neuen Stil in diesem Land. Denn wenn nicht, dann schauen wir womöglich eines Tages ziemlich dumm aus der Wäsche und sind dann erst so richtig verkauft.
Österreich ist ein herrliches Land. Es ist schön, hat kulturell einiges zu bieten und ist der Feinkostladen Europas. Das Land hat nur einen klitzekleinen Schönheitsfehler: seine Bewohner können sich nicht freuen. Am wenigsten über eigene Leistungen.
Also einmal ehrlich: wen kümmert es, wenn er am Flughafen Wien-Schwechat in einer Warteschlange auf den Flug nach Malta wartet, wenn zur gleichen Zeit ein anderer österreichischer Staatsbürger am Flughafen Singapur schneller als andere in seiner Reihe seinen Flieger betreten kann? Niemanden, ganz richtig! Erstens hebt das Flugzeug dadurch auch nicht früher ab, denn das geschieht ja erst, wenn alle an Bord sind. Zweitens: wer befasst sich schon mit solchen Banalitäten? Schon gar nicht, wenn das zu unterschiedlichen Zeiten passiert und man vielleicht selbst gar nicht fliegt.
Am Sonntag wählen Österreichs Katholiken wieder einmal ihre Pfarrgemeinderäte. 3.000 Pfarren gibt es in Österreich, in deren Pfarrgemeinderäten sich etwa 45.000 Menschen engagieren. 30.000 davon werden alle fünf Jahre gewählt, 15.000 gehören Kraft ihres Amtes dem Pfarrgemeinderat an.
Ein altes Sprichwort sagt: „Man schlägt den Sack und meint den Esel“. Wer in letzter Zeit Wirtschaftsberichte verfolgt hat, der wird unweigerlich an dieses Sprichwort erinnert. „Der Euro ist an allem schuld.“ Ist er das auch wirklich?
Was haben Wien und Kärnten gemeinsam? In beiden Ländern ist die ÖVP ein Minderheitenprogramm. In Kärnten kam sie bei den letzten Landtagswahlen 2009 auf 16,83%, in Wien erreichte sie bei den letztjährigen Gemeinderatswahlen 13,99%. Wer aber glaubt, dass beide Länder damit das gleiche Gewicht in der Bundes-ÖVP haben, der irrt. Während man Kärntner mit der Lupe suchen muss, stellt die Wiener ÖVP mit Sebastian Kurz nicht nur ein Regierungsmitglied, sondern auch den Obmann der Jungen ÖVP.


