Der Tod ist Rechtshänder

@ U.S. Air Force photo by Master Sgt. Lono Kollars

Wer an Krebs erkrankt, kommt um ein Thema nicht umhin: den Tod. Denn die Krankheit hat einen eklatanten Nachteil. Sie führt bei Nichtbehandlung zum Tod, und selbst wenn sie behandelt wird, geht sie oft letal aus. Mit rund 20.000 Toten pro Jahr ist Krebs die zweithäufigste Todesursache hierzulande.

Aber wie stellt man sich den Tod vor? Im Mittelalter wurde er oft als Skelett abgebildet, der mit allen Schichten – vom Papst bis zum Bettler –  tanzte. Oft wurde er auch mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen symbolisiert. Heute stellen sich ihn viele als Sensenmann in einem schwarzen Umhang vor.

Für mich ist er ein schwarzer Sport-Fechter. Das vor allem deshalb, weil mich der weiße Sport schon immer in seinen Bann zog und ich diesen schönen Sport auch selbst beim KAC in Klagenfurt ausgeübt habe. Vor allem aber auch, weil oft vom „Kampf mit dem Tod“ die Rede ist. Warum soll dieser Kampf nicht auf der Blanche gegen einen schwarzen Fechter ausgetragen werden.

Als ich mich dem Kampf mit dem Tod stellen musste, wusste ich noch gar nicht, dass ich auf der Blanche stehe. Schon stand es 2 : 0 für ihn. Da der Tod mit sich schlecht verhandeln lässt, nutzte es auch nicht zu sagen „ich war noch nicht soweit“. Man ist nie soweit sich dem Gevatter stellen zu müssen. Den ersten Treffer setzte der Tod mit der Diagnose „Krebs“, den zweiten Treffer einen Tag später mit der Diagnose „sie haben Metastasen an Lunge und Leber“. So schnell kann es gehen und man ist 2 : 0 hinten. Der Tod ist wirklich ein ausgefuchster Gegner.

Mit dem Beginn der Chemotherapie konnte ich dann glatt einen Treffer aufholen. Touché! 2 : 1. So kann es ruhig weiter gehen. Doch so leicht lässt sich der Tod nicht beirren. Und schon gar nicht aus dem Konzept bringen. Die erste Computertomographie nach vier Chemotherapien brachte keine wesentliche Änderung der Lage. Alles war so, wie es Mitte Juni war. Schade, ich hatte auf ein Anspringen der Therapie gehofft, dass die Metastasen weniger werden, oder zumindest kleiner. 3: 1 für den Tod. Ein Darmverschluss nach der 5. Chemotherapie, der mir einen künstlichen Ausgang bescherte, war der bislang letzte, und wohl auch schwerste Treffer, den Tod setzen konnte. 4 : 1. Mein Gegner ist wirklich mit allen Wassern gewaschen. Mein Betreuerteam, das Tumor-Board, änderte daraufhin die Taktik. Mit der siebenten Chemotherapie wurde die Zusammensetzung etwas abgeändert. Dazu noch eine große Portion Optimismus. Ein Treffer aufgeholt: 4 : 2. Na immerhin.

Auch wenn ich momentan hinten liege, so weiß ich doch eines: Das Gefecht ist noch lange nicht zu Ende. Gewonnen hat, wer als erster 15 Treffer setzen kann. Ich bin optimistisch, dass mir das gelingt. Denn ich weiß etwas, das andere nicht wissen: Der Tod ist Rechtshänder. Warum? Gegen Linkshänder hatte ich auf der Blanche noch nie den Funken einer Chance und hätte wohl nie zwei Treffer setzen können. Gegen Rechtshänder habe ich hingegen schon oft gewonnen. Warum nicht auch dieses Mal?

Wahrscheinlich etwas Falsches gegessen

Es gibt Tage, an die erinnert man sich ein Leben lang. Die meisten davon verbindet man wohl mit positiven Ereignissen. Dazu zählen etwa der Tag an dem man mit seiner Liebsten zusammenkam, der Hochzeitstag, oder die Tage, an denen die Kinder zur Welt kamen. Oft erinnert man sich auch genau daran was man tat, als Weltgeschichtliche Ereignisse stattfanden. Und dann gibt es die Tage an die man sich auch ewig erinnert aber dennoch wünschte, dass sie niemals stattgefunden hätten.

Zum Beispiel an den 13. Juni 2017. „Ich habe eine schlechte Nachricht für sie. Sie haben einen Tumor im Dickdarm. Relativ weit drinnen, das erspart ihnen wahrscheinlich einen künstlichen Ausgang. Ich rate ihnen gleich heute weitere Untersuchungen machen zu lassen.“ Normalerweise haut einen so eine Nachricht um. Mich nicht, weil ich lag eh schon, und das noch dazu mit entblößtem Hinterteil. Jaja, es gibt sicher ästhetischere Untersuchungen als eine Darmspiegelung.

Dabei hat alles so harmlos begonnen. Eine kleine Aufgeblähtheit, wahrscheinlich etwas Falsches gegessen. Ein wenig Dünnpfiff, wahrscheinlich zu viel getrunken und etwas Falsches gegessen, vielleicht auch zu viele Zigarren geraucht. Hoppla, da ist ja Blut dabei. Wahrscheinlich ein Aderl geplatzt. Schon wieder Blut. „Machen wir einen Test“, riet die Hausärztin. In sechs Proben wurde vier Mal Blut nachgewiesen. „Das sollten sie sich jetzt genauer anschauen lassen.“ Okay!

Interessant, wie das engste Umfeld darauf reagiert, wenn man ihnen sagt, dass man einen Tumor hat. „Der muss ja nicht bösartig sein. Es gibt auch gutartige Tumore, wirst sehen.“ Ich wusste von Anfang an, der ist nicht gutartig. Denn gutartig fühlt sich eindeutig anders an.

Jedenfalls ist seit der Diagnose nichts mehr wie es vorher war. Und das ist nicht nur so daher geschrieben. Ale erste folgte eine Kette von Hiobsbotschaften. Nummer 1: „Sie haben eine kleine Metastase an der Lunge und sieben, etwas Größere, an der Leber.“ Na bumm! Wie lange habe ich noch? Muss ich dableiben, oder kann ich vielleicht doch zu Fronleichnam mit Freunden nach Venedig? „Unser Ziel ist es, sie gesund zu machen. Wenn ich keine Chance sehen würde, würde ich ihnen raten, fahren sie nicht vier Tage nach Venedig, sondern bleiben sie vier Monate.“ Das klingt zumindest nicht ganz hoffnungslos.

Seit ich aus Venedig zurück bin läuft die Maschinerie zu meiner Rettung. Ich fühle mich wie ein Passagier der in einem Zug sitzt, den andere steuern. Einen Portkatheter brauche ich. Aha. „Damit werden sie die Chemos bekommen.“ Vorbesprechung am Dienstag, Operation am Donnerstag. Das war dann Hiobsbotschaft Nummer 2, denn ich hasse OPs. Vor allem, wenn sie in Lokalanästhesie gemacht werden. Denn als echter Macho verweigert man natürlich die Vollnarkose, man ist ja schließlich kein Weichei, und außerdem belastet bekanntlich jede Narkose den Körper. Da wusste ich noch nicht, wie sehr eine Chemo erst den Körper belastet. Dagegen ist jede Narkose der reinste Kindergeburtstag. „Tut das weh? Wir können eventuell nachspritzen.“ Ja, es tut weh, nur um Himmels willen nicht nachspritzen. „Nein, alles in Ordnung“, stammle ich. „Auf einer Skala von 1 bis 10?“ 318 denke ich mir. „Vier“ sage ich. „Na das ist ja aushaltbar.“ Ich Depp muss wohl immer den Helden spielen.

Der Port ist drinnen, wie geht es weiter? „Am 29. Juni beginnen wir mit der Chemo. Danach operieren wie ihnen die Leber, dann machen wir wieder einen Chemodurchlauf. Dann kommt der Darm dran und danach wieder ein Chemodurchlauf.“ Wie lange dauert das Ganze? „Circa ein Jahr.“ Sieht so aus, als würde ich Weihnachten und meinen 51. Geburtstag noch erleben. Na immerhin.

„Sie werden sehr kälteempfindlich sein. Meiden sie Eis und kalte Getränke, überhaupt alles was aus dem Kühlschrank kommt. Hautprobleme werden sie auch bekommen. Die Haare sollten ihnen aber nicht ausfallen. Eventuell wird ihr Geschmackssinn etwas leiden.“ Klingt eigentlich ganz passabel. Esse ich eben kein Eis, obwohl ich wahrscheinlich der größte Eis-Tiger auf der Welt bin. Und die paar Wimmerln werden wohl auch zu verkraften sein.

Liebe Leute, Ärzte neigen zur Untertreibung. Und wie! Selbst in der größten Hitzewelle ist mir immer noch kalt. Bei 36 Grad war ich letztens der einzige der mit einer Decke im Liegestuhl lag. Wenn ich in den Kühlschrank greife, wechselt meine Hand in die Antarktis, während der Rest von mir in Mitteleuropa bleibt. Mittlerweile sehe ich auch aus wie ein zu groß gewordener Ribiselkuchen. Der gesamte Oberkörper ist rot, und was nicht rot ist, ist gelb. Wahrscheinlich werde ich demnächst zum Präsident der Welt-Akne-Vereinigung gewählt. Wenn ich mich hinlege glaube ich, mir werden lauter kleine Nadeln in den Rücken gestochen. Ohne Unterleiberl, für mich seit jeher ein modisches no-go ersten Ranges, gehe ich nicht mehr außer Haus. Denn nur so lassen sich die kleinen unansehnlichen Bluttropfen am Hemd vermeiden. Zumindest im Gesicht habe ich die Sache gut im Griff, denn dort lässt es sich gut einschmieren. „Wow, Du bist ja braun. Wohl auf Urlaub gewesen?“. Ja, auf der Onkoambulanz. Alle 14 Tage. Auch die „normalen“ Nebenwirkungen (Übelkeit, Mattheit, Erschöpftheit, Gefühllosigkeit in den Fingerspitzen und am Fußballen) haben es in sich. „Die Chemo ist wie ein wildes Tier, dass dich anspringt wenn du es am wenigsten erwartest“, sagte mir letztens ein väterlicher Freund. Stimmt! Zwei Tage nach der Chemo geht es so richtig rund.

Neben all diesen Grauslichkeiten trifft mich aber eines ganz besonders: mein Lieblingswein schmeckt nicht mehr. Im Gegensatz zu meiner Umgebung bin ich ein Freund lieblicher Weine. „Marmeladedinger“ nennt die mein Freund Lei-Lei. Mein Lieblingswein ist ein Primitivo aus Apulien. Dunkelrot und süß. Herrlich! Nun: dunkelrot und sauer. Vielleicht sogar etwa moussierend. Wäh! Noch schrecklicher schmecken nur noch die Steirischen Weine. Die sind für mich so sauer, dass ich das Gefühl habe, meine Mundschleimhaut löst sich auf. Jaja, man soll eben während der Chemo nicht zu Weinverkostungen in die Südsteiermark fahren. Ich komme wieder wenn ich gesund bin.

Auch wenn so eine Chemo eine ziemliche Bombe ist, hat sie dennoch auch ein Gutes. Die Zigarren schmecken besser als vorher! Wenigstens etwas. Und Krebs kann ich von denen auch nicht mehr bekommen, denn den habe ich ja schon.

Es wird scho glei dumper

IMG_0146Ich gebe es zu: ich mag den Advent und Weihnachten. Auch wenn rings um mich herum alles noch so bimmelt und strahlt, ich in voller Lautstärke mit „Last Christmas“ beschallt werde,  gelingt es mir dennoch immer wieder, Oasen der Ruhe und Besinnlichkeit zu finden.

Religion ist da sehr hilfreich. Roraten, der Nikoloabend und das Zusammensitzen mit der Familie an den Adventsonntagen bei Kerzenschein und Schoko-Fondue, lassen bei mir Besinnlichkeit und Ruhe aufkommen.

Heuer allerdings mischt sich meine Besinnlichkeit heiliger Zorn. Ich ärgere mich über meine Landsleute. Seit Wochen wird in beschämender Art und Weise über Flüchtlinge und deren Unterbringung diskutiert. Auf der einen Seite jammern alle über die Gräuel, denen Christen, Jesiden, Schiiten etc. durch die IS ausgesetzt sind. Wenn dann aber genau diese Leute an unsere Tür klopfen, beginnen sie zu diskutieren, ob 30 Leute (Eltern und deren Kinder) in einer Gemeinde mit mehreren tausend Einwohnern nicht eine Überforderung sind.

Dann werden plötzlich aus Menschen die mit knapper Not einem Massaker entronnen sind, Asylbetrüger, Wirtschaftsflüchtlinge und Sozialtouristen. Dann ist plötzlich keine Rede mehr von Sklavenmärkten, Zwangsverheiratungen, Enthauptungen, Massenhinrichtungen, Auspeitschungen, Kreuzigungen, Mord und Totschlag. Dann geht es um Unterbringungskosten, Taschengeld und ob die kulturelle Identität einer Gemeinde nicht überstrapaziert wird.

Ich kann nur sagen: Pfui Teufel. Wie sehr sind unsere durch maßloses Saufen und Fressen verfetteten Herzen zu Stein geworden? Wie sehr hat die Propaganda der FPÖ in den letzten Jahrzehnten „alle Flüchtlinge sind Kriminelle und Betrüger“ doch gegriffen, dass wir Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind, ersaufen und erfrieren lassen und ihnen ein sicheres Dach und eine warme Mahlzeit missgönnen?

Wenn unsere gut ausgebildeten „Töchter, Söhne“ in die USA, nach Taiwan und Abu Dhabi gehen, weil dort das große Geld lockt, dann ist das klug. Wenn Nigerianer, Syrer und Afghanen aber zu uns kommen, weil sie bei uns ein besseres Leben erhoffen, dann ist das schändlich. Pfui Teufel!

Am meisten aber ärgere ich mich aber derzeit über jene, die in Kirchen andächtig den Krippenspielen mit „Wer klopfet an?“ und allem Drumherum lauschen, und dann doch ganz irrational handeln. Denn so mancher schimpft anschließend am Kirchplatz über Flüchtlinge und verlangt, dass endlich hart durchgegriffen wird. Dann habe ich das Gefühl in unseren Herzen wird es „scho glei dumper“.

Katzenjammer

Sitzungssaal des österreichischen NationalratesDie Nationalratswahl 2013 ist geschlagen, und wie gewohnt hat gleich danach das große Analysieren begonnen. In den Parteizentralen rauchen ordentlich die Köpfe. „Wie konnte das nur passieren?“ fragen  sich die Wahlverlierer mit einem Runzeln auf der Stirn. Bei den Wahlgewinnern hingegen heißt es: „Wow, wie ging denn das?“ Schnell sind Experten mit Erklärungen zur Stelle. Jene die verloren haben sind (offiziell) froh darüber zumindest Erster geblieben zu sein. Andere zumindest doch noch Zweiter geworden zu sein, den Abstand verkürzt zu haben, und die totale Niederlage nicht erlebt haben zu müssen. Jene die nicht soviel gewonnen haben wie erhofft, trösten sich mit besseren Detailergebnissen. Es spielt zwar bei einer bundesweiten Wahl keine Rolle wer in welcher Gemeinde oder Stadt die Nase vorn hat, aber es freut einen doch.

Und bei den Siegern? Die freuen sich über einen „ganz klaren Wählerauftrag“ für dieses oder jenes. Den ganz klaren Wählerauftrag kennt zwar niemand und man hat von ihm auch noch nie das Leiseste gehört, aber man hört eben auch viel im Glücksrausch des Wahltriumphes. Dass der ganz klare Wählerauftrag gerade einmal mit fünf, sechs oder 21,5 Prozent unterlegt ist, wenn kümmert es. Hauptsache Gewinner!

Und tatsächlich haben alle Recht, und auch wieder nicht. In der Politik ist es wie im Sport. Zum Beispiel beim Skifahren. Natürlich ist es fein Erster, Zweiter oder Dritter in der Olympiaabfahrt geworden zu sein, sich qualifiziert zu haben, das Ziel erreicht zu haben etc.. Auf der anderen Seite: Wen kümmert es wie groß der Abstand des Olympiasieger auf den Zweiten ist? Oder der zwischen Zweiten und Dritten? Wen interessiert es, dass der Olympiasieger beim letzten Rennen auf der gleichen Piste um drei Zehntel schneller war? Und natürlich kümmert es auch niemanden, dass früher mehr Leute bei Rennen zugeschaut haben. Es interessiert auch niemanden, dass es früher weniger Skimarken gab, das Wachs besser und billiger war, jeder Österreicher von Geburt an Skifahrer war, und das Verhältnis zwischen Skifahrern und Freestylern sich seit den 1950ern zu Ungunsten der Skifahrer entwickelt. Außer Sportjournalisten und Sporthistoriker.

In der Politik ist das gaaaaaanz anders. Da interessieren diese Fragen. Wirklich? Zumindest rauchen am Tag nach Wahlen nicht nur in den Parteizentralen die Köpfe, sondern auch in den Redaktionen. Wie konnte das nur passieren? In Wirklichkeit ist gar nix passiert. Der Wähler hat entschieden, wie er wollte. So ist das bei Wahlen nun einmal. Natürlich wurde über Wochen geschrieben und berichtet, z. B. dass die Menschen von der großen Koalition die Nase voll haben. Dennoch wurde genau diese Regierungsform – zwar mit kleinerer Mehrheit, aber immerhin – wiedergewählt. Denn Rot-Schwarz geht sich aus, und diese Regierungsvariante ist wohl auch am wahrscheinlichsten.

Nur sind Medienberichterstatter und Kommentatoren jetzt plötzlich traurig, manche sogar entsetzt, dass erst wieder alles beim Alten bleibt. Erstens gibt es keinen Grund dazu, denn eine große Koalition beschert uns zumindest eine ausrechenbare Regierungsperiode. Und zweitens: wer sagt, dass alles beim Alten bleiben muss. Denn neben einer großen Koalition gehen sich auch andere Koalitionen aus. Zum Beispiel Schwarz-Blau-Grün, Schwarz-Blau-Stronach, Schwarz-Blau-Neos, Rot-Blau-Grün, Rot-Blau-Neos, Rot-Blau-Stronach. Möglicherweise sogar nur Rot-Blau, wenn die Wahlkarten ausgezählt sind. Dazu müssten aber einige Parteien erst einmal über ihren Schatten springen. Und egal welche Kombination mit Blau auch zustande käme, das mediale Geheul wäre enorm. Besonders groß wäre es bei einer Kombination mit Schwarz und Blau. Warum nur?

Weil sich leider auch diesmal die Wunschkoalition vieler Journalisten, Intellektueller,  Künstler, urbanen Aufsteiger, Internet und Technik-Junkies, Toleranzapostel etc. nicht ausgeht, nicht einmal ansatzweise: Rot-Grün. Die Demokratie ist aber auch zu deppat! Da schreibt und postet man bis zum Umfallen vom Wunsch nach Veränderung, trägt das sogar auf Bühnen und im Fernsehen vor, schreibt Bücher dazu und dann kann der dumme Wähler nicht zwischen den Zeilen lesen und erkennen, dass damit ausschließlich Rot-Grün gemeint war. Und auf gar keinen Fall Schwarz-Blau-Grün, Schwarz-Blau-Stronach, Schwarz-Blau-Neos, oder sonst etwas mit Blau. Das wäre zwar eine ziemliche Veränderung und würde dem angeblichen Wunsch danach mehr als Rechnung tragen, aber doch bitte nicht so! Pfui Teufel!

Vielleicht liegt es ja daran, dass Intellektuelle, Künstler, urbanen Aufsteiger, Internet und Technik-Junkies, Toleranzapostel etc. einfach nicht die Gesamtheit der Bevölkerung abdecken, sondern nur einen kleinen Teil davon? Das gilt auch für Journalisten. Die sehen sich zwar gerne als Sprachrohr der Bevölkerung, aber stimmt das auch? 2010 wurde im 3. Journalistenreport u. a. der Frage nachgegangen in welche Richtung Politikjournalisten tendieren. 63% rechnen sich demnach dem linken Lager zu. 28% fühlen sich den Grünen am nächsten. Nun: in keiner Umfrage und bei keiner Wahl kommt Rot-Grün auf 63% Wähleranteil. Nicht einmal in Wien. Bei der jüngsten Nationalratswahl kamen die beiden Parteien zusammen auf 38,5%. Von einem Grün-Wähleranteil von 28% kann schon überhaupt keine Rede sein. Bei keiner Wahl. Es sei denn man pickt sich ein Minidetailergebnis aus einem Bezirk, oder Wahlsprengel heraus. Und so wie es bei den Journalisten ist es wohl auch bei Intellektuellen, Künstlern, urbanen Aufsteigern, Internet und Technik-Junkies, Toleranzapostel etc..

Ich glaube eher, dass nicht die Wähler falsch wählten, sondern dass sich all diese gescheiten Menschen nur das Falsche wünschen. Und so regelmäßig ihr blaues Wunder erleben, inklusive Katzenjammer nach der Wahl.

Der Gipfel der Scheinheiligkeit

1175048_10151832345539672_641412982_nWer den Nationalratswahlkampf betrachtet, der bekommt unweigerlich das Gefühl, dass  in Parteien und/oder PR-Agenturen ganze Heerscharen von Ministranten arbeiten müssen. Denn in keinem anderen Wahlkampf wurde mit Bibelzitaten, kirchlichen Themen etc. so exzessiv umgegangen, wie in diesem. Und auch ein neuer Rekord an Scheinheiligkeit wurde gebrochen.

Da wäre einmal die FPÖ. Deren Spitzenkandidat, Heinz-Christian Strache ist seit seinem 15. Lebensjahr Mitglied der pennalen Burschenschaft Vandalia in Wien. Unter seinen Mitarbeitern bzw. in seiner Partei finden sich neben ihm noch weitere „schlagend“ Korporierte. Der bekannteste unter ihnen, und wohl auch „berüchtigste“, ist Nationalratspräsident Martin Graf, der Mitglied der Burschenschaft Olympia ist. Nun sind schlagende Verbindungen, und allen voran Burschenschaften, bislang nicht unbedingt als Hort des Glaubens, des Christentums und der Katholizität aufgefallen. Im Gegenteil. Mitglieder katholischer Korporationen wurden bzw. werden als „ferngesteuerte Ultramontanisten“ verhöhnt und deren Mitglieder als „Kerzerlschlucker“, „Kutenbrunzer“ etc. tituliert. Besonders amüsiert zeigt man sich darüber, dass die „Katholen“ ihre Semester mit einer Messe beginnen und auch enden lassen. Das hält H. C. und die FPÖ freilich nicht davon ab „Liebe deinen Nächsten“ zu plakatieren. Scheinheiliger geht es wohl nicht mehr.

Das Manöver ist leicht zu durchschauen: Im Wahlkampf sind alle Mittel Recht. Selbst wenn sie von jenen kommen, die man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekämpft und verhöhnt hat, und die politischen Ahnherren der FPÖ einstmals sogar Kirchenaustritte gefördert haben. Ich freue mich schon auf die Einladungen zu den Semesterantrittsmessen der vielen Burschenschaften und anderer schlagender Verbindungen. Vor allem aber darauf, wie sich   H. C. als Lektor „schlägt“ und in der ersten Bankreihe die Herren Graf, Mölzer & Co. ihm andächtig lauschen.

Aber die FPÖ ist bei weitem nicht die einzige Partei die mit dem Thema Kirche punkten möchte, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Da wären zum Beispiel die NEOS. Auf deren Wiener Landesliste findet man auf Platz 2 Niko Alm. Das ist jener, der sich ein Nudelsieb auf den Kopf gesetzt hat und darauf bestand, dass es so adjustiert auf seinem Führerschein abgebildet sein will. Und das auch durchsetzte. Alm wollte auch „Es gibt keinen Gott“ auf Städtische Busse in Wien affichieren. Als das untersagt wurde, machte er es halt in der Mariahilferstraße. Besonders in Erinnerung geblieben ist der bekennende Atheist und Vorsitzende des Zentralrates der Konfessionslosen vor allem als Initiator des Volksbegehrens „Initiative gegen Kirchenprivilegien“. Mit gerade einmal 56.660 Unterschriften, das entspricht 0,89 Prozent der Wahlberechtigten, war es das bislang erfolgloseste von allen. Respekt, oder besser: Recht so! Das hält Niko Alm freilich nicht davon ab, weiter gegen „Privilegien“ der Kirche vorzugehen. Mittlerweile hat er eine Beobachtungsstelle gegen Kirchenprivilegien eingerichtet und möchte den „Pastafarismus“, die Religion zum Nudelsieb, in Österreich offiziell anerkennen lassen.

Dass er damit jene Menschen verhöhnt denen Religion etwas bedeutet, die sich für Religionen engagieren, dort Hilfe und Unterstützung, oft in schwierigsten Lebenslagen, erhalten, das kümmert ihn nicht. Die Spaßgesellschaft braucht das! Alm macht sich lustig, weil er in einem städtisch-liberalen Umfeld agiert, in dem Religiöses immer unbedeutender wird, und als altmodisch und vom Lande gilt. Er reiht sich damit in die Heerschar jener ein, die oft und gerne auf Kirche und Religion schimpfen, ihre Privilegien anprangern, und die Geschichte bemühen, ohne jemals selbst eine Kirche von innen gesehen zu haben. Geschweige denn, mit Leuten dort geredet zu haben und – sine ira et studio – abzuwägen, was,  für wen, wie lange und warum gemacht wird. Hier reden und schreiben Blinde von der Farbe, oder das Nudelsieb von der Crème brûlée. Und weil natürlich nur jene „Privilegien“ angeprangert werden, die politisch etwas bringen, werden andere erst gar nicht angesprochen.

Zum Beispiel die kirchlichen Feiertage. Es würde mich sehr wundern, wenn Niko Alm nicht auch kirchliche Feiertage nutzen würde um Kurzurlaube zu unternehmen, auszuspannen, kurzum, den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen.  Wie inkonsequent!  Wäre es nicht konsequent, wenn er und seinesgleichen, und jene die aus der Kirche ausgetreten sind, auch auf kirchliche Feiertage verzichten, oder sich zumindest Urlaub nehmen, wenn sie zu diesen „heiligen“ Zeiten verreisen wollen? Denn was feiert ein Atheist, wenn Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Maria Himmelfahrt etc. am Kalender stehen? Davon habe ich bei Niko Alm noch nie etwas gehört. Kann es sein, dass das nicht populär ist? Und warum bestehen oft jene, die schon vor Jahrzehnten der Kirche den Rücken gekehrt haben, dennoch auf kirchliche Hochzeit, Begräbnisse, Erstkommunion für die Kinder etc.? Wehe, ein Geistlicher macht darauf aufmerksam, oder weigert sich gar, diese Sakramente zu spenden. Das mediale Geheul wäre ihm mehr als sicher. Nur, wie komme ich als Kirchenbeitragszahler dazu, dass mit meinem Kirchenbeitrag (Dienst)Leistungen für jene finanziert, werden die nichts beitragen?

Welche Einstellung Niko Alm gegenüber Religion und Kirche hat, müsste niemanden kümmern, wäre er nicht aussichtsreicher NEOS Kandidat für den Nationalrat. Das Argument „Alms Kirchenpositionen komme nicht im NEOS-Programm vor“ greift nicht. Wer solche Leute ins Boot holt, übernimmt zwangsläufig deren Positionen oder schielt zumindest auf deren Unterstützer.

Niko Alm ist übrigens von den Grünen zu den NEOS gewechselt. 2003 stand er noch auf der Landtagswahlliste der Grünen in Niederösterreich, 2006 und 2008 organisierte er mit seiner Agentur den grünen Nationalratswahlkampf. Im Feber heurigen Jahres wurde bekannt, dass Niko Alm Aufträge der rot-grünen Wiener Stadtregierung und des Universitätsbeauftragten Alexander van der Bellen erhält. Das war insofern pikant, da die Grünen kurz zuvor  ähnliche Vorgänge im Innenministerium scharf kritisierten und für ein Verbot der Auftragsvergabe an parteinahe Agenturen eingetreten sind. Niko Alm wies daraufhin eine Nähe zu den Grünen zurück – klar Kandidaten haben keine Nähe – die Grünen bezeichneten die Berichte als „Schmutzkübel-Kampagne“. Ziemlich scheinheilig, nicht?

Doch es geht noch scheinheiliger. Unlängst wurde ein Plakat der Grünen bekannt, auf dem zwei Männer offensichtlich kopulieren, sowie ein You Tube-Video in dem zwei Männer, zwei Frauen und ein Mann mit einer Frau sich miteinander vergnügen. Und? Kein Aufschrei? Kein Hinweis auf Sexismus in der Werbung? Keine GRAS-Pickerln „smash sexism“? Nein, natürlich nicht, denn Sujet und Video kamen ja von den selbsternannten Sittenwächtern in Grün. Selbst Bundesrat Marco Schreuder und die Grazer Stadträtin Lisa Rücker zeigen sich auf der Homepage von Parteifreundin Ulrike Lunacek stolz, „dass wir mit sehr erotischen Bildern die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken wollen“, und „dass wir ausschließlich mit Kreativen aus der lesbisch-schwulen Community zusammen gearbeitet haben und so einen richtigen Community-Wahlkampf auf die Beine gestellt haben.“

Dabei erinnere ich mich noch gut, als z.B. die Hirter Brauerei mit drei Damen, die ihre nackte Oberweite bedeckt hielten, warb. Was war das für eine Aufregung! Selbst als darauf ein entsprechendes Sujet mit Männern folgte, konnten sich die Gemüter nicht beruhigen. Aber so ist das eben im grünen Lande: was bei meinem Gegner pfui ist, ist bei mir höchst kreativ.

Wie kurz das grüne Kurzzeitgedächtnis ist, sieht man an folgender Geschichte: Im Mai heurigen Jahres stellten die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und die Grüne Gemeinderätin Martina Wurzer eine App vor, die das Melden sexistischer Werbung erleichtern soll. Frauenstadträtin Sandra Frauenberger meinte damals: „Sextische Werbung ist nicht die Ausnahme. Sexistische Darstellungen prägen unsere Vorstellungen von Frauen und Männern“, so Frauenberger. „Rollenbilder und Geschlechterklischees werden verstärkt und Gewalt gegen Frauen verharmlost. Diese alltägliche Entwürdigung und Diskriminierung ist keine Normalität, die erduldet werden muss.“ Die beiden Damen formulierten als politisches Ziel, ein bundesweites Verbot von sexistischer Werbung. Ja sogar ein EU-weites Verbot wurde gefordert. Denn „nur so kann sexistischer Werbung in größerem Umfang ein Riegel vorgeschoben werden“, so die streitbaren Damen.

Wie war das noch einmal? Wasser predigen und Wein trinken! Oder: den Gipfel der Scheinheiligkeit!

Für dumm verkauft

Lang, lang ist es her, dass der Simmerstatter das letzte Mal etwas gebloggt hat. Das hat einen simplen Grund: ich bin sprachlos. Sprachlos was sich derzeit in diesem schönen Land abspielt. Vor allem in der Politik.

Heute ist mir schon in aller Herrgottsfrüh der Hut hochgegangen. Was müsste ich da lesen? „Streit ums Heer eskaliert • Grüne kritisieren: „400 Wehrpflichtige müssen die Eurofighter-Hallen bewachen“. Im Text kommt es noch knüppeldicker-: „Gegen ein Festhalten an der Wehrpflicht liefern die Grünen neue Argumente: So erhalten jährlich 400 Präsenzdiener den Befehl, die Eurofighter-Hallen in Zeltweg zu bewachen.“

Na hoffentlich! Jeder Jäger muss seine Waffen sicher verwahren und vor unerlaubten Zugriffen sichern, dann wird das hoffentlich auch für unser Bundesheer gelten. Es sollte eigentlich auch den Grünen einleuchten, dass  eine Halle in der Fluggerät im Wert von 2. Mrd. Euro parkt,  das noch dazu mit allerlei schweren Waffen bestrückt ist, rund um die Uhr bewacht werden muss. Und da das Jahr bekanntlich 365 Tage hat und die Halle hoffentlich jeden Tag bewacht wird, werden über das Jahr, wenn nur ein Präsenzdiener die Halle bewacht, ziemlich genau 365 dafür notwendig sein. In Schaltjahren sogar 366! Grün-kaufmännisch-gerundet mach das dann 400.

Es geht aber noch dümmer: „Während in der gleichen Zeit (einem Jahr, Anm.) nur 115 Wehrpflichtige zu Panzergrenadieren und 1306 zu Infanteristen ausgebildet werden, müssen 400 Präsenzdiener ihren Dienst als „Nachtwächter“ am Flughafen in Zeltweg absitzen und dort 15 Eurofighter bewachen.“ Dümmer geht’s nimmer!

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Das wäre ja so als würde ich sagen: „Während ich an 365 Tagen meine Wohnungstüre absperre und darauf achte, dass mein Laptop nicht geklaut wird, besuchen meine Kinder an nur rund 170 Tagen die Schule.“ Frei nach Grün: „Dem Simmerstatter ist die Bildung seiner Kinder weniger wert als sein Laptop!“ Nur: was hat (in beiden Fällen) das eine mit dem anderen zu tun?

Abgesehen von der dummen Argumentation regen mich zwei Umstände an der Grünen Wehrpflicht-Geschichte besonders auf: Erstens, dass durch solche Argumente die Österreicher in Bausch und Bogen für ziemlich dumm verkauft werden. Jeder, der halbwegs 1 + 1 zusammenzählen kann, kann diese Geschichte leicht widerlegen. Dennoch wird so ein Blödsinn öffentlich medial kundgetan. Zweitens: erleiden durch solche und ähnliche Dummheiten unserer Politiker und unsere Demokratie einen Kollateralschaden sondergleichen.

Der Gerechtigkeit halber muss ich aber auch gestehen, dass die Grünen bei weitem nicht die einzigen sind, die die Österreicher für derart dumm verkaufen. Im Gegensatz zu anderen überrascht es bei den Grünen aber doch einigermaßen, wenn sie zu solch dummen Argumenten greifen nur um sich einem potentiellen Koalitionspartner (oder gar einem Massenmedium?) anzubiedern.

Ein anderer dem zurzeit nichts zu dumm ist, ist Frank Stronach. Der zieht momentan wie der Rattenfänger von Hameln mit einigen Wendehälsen durchs das Land und spielt dabei auch geschickt am Klavier von Vorurteilen, Populistischen Stammtisch-Geplärre und schlechtem Benehmen. Natürlich geht es auch bei ihm in erster Linie gegen die  EU. Dass er und sein Firmenimperium von der gemeinsamen Währung, offenen Grenzen etc. am meisten profitiert haben, das macht gar nix. Ebenso wenig wie sein Motto: „Wer das Geld hat macht die Regeln“. Interessanterweise kommt Stronach damit just bei jenen die von dem am allerwenigsten haben besonders gut an.

Überhaupt scheint Wasser zu predigen und Wein zu trinken zur neuen Ideologie zu werden. Stronach ist nur ein Beispiel dafür. Zwei andere sind Josef Bucher und Stefan Petzner. Vor allem letzterer schreit heute am lautesten „Haltet den Dieb“, obwohl er einst am engsten mit Jörg Haider zusammengearbeitet hat und maßgeblich am System Haider mitgebaut hat. Kümmert es wen? Nein!

Mir würden noch viele einfallen die eifrig am Niedergang unserer Demokratie mitarbeiten. Die durch Wendehalsigkeit, Rückgratlosigkeit, Vorstrafen, Voruntersuchungen, Erhebungen, das Versprühen von Gift und Galle, Lügen und Betrügen, das Brechen von in Stein gemeißelten etc. auffallen. Und das beschränkt sich gar nicht  nur auf die Politik.

Hoffentlich finden wir schnell wieder zu einem neuen Stil in diesem Land. Denn wenn nicht, dann schauen wir womöglich eines Tages ziemlich dumm aus der Wäsche und sind dann erst so richtig verkauft.

Suderantentum

Österreich ist ein herrliches Land. Es ist schön, hat kulturell einiges zu bieten und ist der Feinkostladen Europas. Das Land hat nur einen klitzekleinen Schönheitsfehler: seine Bewohner können sich nicht freuen. Am wenigsten über eigene Leistungen.

Dass selbst hochgebildete, nette, kultivierte und stets freundliche Österreicher und –innen gerne dem Suderantentum anhängen kann man an den Reaktionen auf den Stratosphärensprung Felix´ Baumgartners gut erkennen. Da fährt ein Österreicher mit einem eigens für diesen Sprung entwickelt Ballon bzw. einer Spezialkapsel, in einem Druckanzug der alle technischen Stückerln spielt, in rund zweieinhalb Stunden auf 39 km hoch, um dann im freien Fall den Großteil der Strecke in etwas mehr als vier Minuten und mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 1300 km/h zu absolvieren. Er bricht dabei zumindest drei, wahrscheinlich sogar vier, Rekorde die allesamt aus den 1960er Jahren stammen und anstatt sich zu freuen und Beifall zu klatschen wird gemotschgert was das Zeug hält.

„Ein Marketing-Gag“, „ hinausgeschmissenes Geld“, „kein Wissenschaftlicher Wert“, „reine Wichtigmacherei“, „Egotrip“ und viel noch Unfreundlicheres bekommt man in diesem Zusammenhang zu lesen und zu hören. Da hilft es auch nichts, dass sich in Österreich 2,7 Mio. Menschen (2,3 Mio. via ORF, knapp 400.000 via Servus-TV) vor dem Fernsehapparat versammelt haben. Nicht schlecht für ein Land von 8 Millionen Einwohnern! Apropos acht Millionen. Acht Millionen Menschen haben zeitgleich allein via Youtube zugesehen. Neuer Rekord! Das sind ja nur um 7,5 Million mehr als beim alten Youtube-Rekord, dem 100-Meter-Sprint bei den heurigen Olympischen Spielen in London. Und dass den Österreichern quer über alle Altersschichten und über Stunden Physik in einer sehr sympathischen und unterhaltsamen Art und Weise näher gebracht wird, das zählt schon gar nicht. Übrigens ebenso wenig wie die positive Nennung des Landes in allen Medien der Welt.

Liebe Leute, wir motschgern uns zu Tode. Ob Stratosphärensprung, Jelinek-Nobelpreis, Opernball oder was auch immer, wir finden immer ein Haar in der Suppe. Selbst wenn um die Suppenschüssel lauter Glatzköpfe sitzen. Ganz besonders schlimm ist es wenn erfolgreiche Unternehmen in die Sache verwickelt sind, wie Zum Beispiel Red Bull. Dass das Salzburger Unternehmen mit einem Markenwert von knapp 14 Milliarden Euro die mit weitem Abstand wertvollste Marke Österreichs ist, und dazu die einzige Marke der Alpenrepublik ist die sich auch international messen lassen kann, beeindruckt hier niemanden. Als wäre es ein Klacks so etwas zu erreichen.

Überhaupt gibt es nichts Schlimmeres in Österreich als Erfolg. Wer nun glaubt, dass hierzulande nur der Misserfolg glücklich macht, der liegt ebenso falsch. Die schwarze Null, das macht den Österreicher glücklich. Oder kurz gesagt: das Mittelmaß. Kein Erfolg ist ruinös, zu viel Erfolg ruft nur die Neider auf den Plan, also bleiben wir schön beim Mittelmaß.

Das beklagen wir dann aber auch und finden 1000 und eine Ausrede warum das so ist wie es ist. Weil der Rasen schlecht ist, die anderen das bessere Wachs, den besseren Anzug, oder den stärkeren Motor haben. Weil die anderen 10 Mal mehr Einwohner haben, ihr Land an Quadratkilometern viel größer und klimatisch gesegneter ist, unser Land nicht am Meer liegt, die anderen die höheren und spitzeren Berge oder einfach mehr Geld haben. Oder weil sie viel ärmer als wir sind, über eine bessere Moral verfügen, nicht so gutes Material haben, sich bei den anderen mehr dafür interessieren und sowieso alles bei den anderen viel besser ist und schmeckt.

Mir hängen die Suderanten zum Halse heraus. Mit ihnen kann man nicht nur keinen Krieg gewinnen, man verliert auch die Zukunft mit ihnen. Es wird Zeit, dass das endlich geändert wird und ich fange damit jetzt an: Österreich Du bist super. Du hast bewiesen, dass man auch als kleines Land großes leisten kann! Bravo Felix Baumgartner und all die anderen die sich etwas trauen, erfinden, tüffteln, ihre Grenzen ausloten und sich trauen diese zu überschreiten. Danke auch dass es Sponsoren gibt die das alles ermöglichen, egal ob Öffentliche oder Private. Ich bin stolz auf Dich und Deine Leistungen. Mach weiter so und trau Dich noch viel mehr! Und ihr: hört endlich auf zu jammern und zu sudern!

Neidkomplex

Also einmal ehrlich: wen kümmert es, wenn er am Flughafen Wien-Schwechat in einer   Warteschlange auf den Flug nach Malta wartet, wenn zur gleichen Zeit ein anderer österreichischer Staatsbürger am Flughafen Singapur schneller als andere in seiner Reihe seinen Flieger betreten kann? Niemanden, ganz richtig! Erstens hebt das Flugzeug dadurch auch nicht früher ab, denn das geschieht ja erst, wenn alle an Bord sind. Zweitens: wer befasst sich schon mit solchen Banalitäten? Schon gar nicht, wenn das zu unterschiedlichen Zeiten passiert und man vielleicht selbst gar nicht fliegt.

Wenn es aber einen österreichischen Parlamentarier, oder gar ein ehemaliges Regierungsmitglied betrifft, dann wird daraus ein Skandal, der mehrere Zeitungsseiten, Hörfunkjournale und Fernsehendungen verbraucht, und das gleich an mehreren Tagen im Jahr. Die Stumpfsinnigkeit solcher Meldungen regt offensichtlich niemanden auf. Im Gegenteil, mit der Geschichte um die Vergabe der Diplomatenpässe, die diese Ungeheuerlichkeit ermöglichen, lässt sich wieder einmal trefflich auf die Politik eindreschen. „Weil es ums Prinzip geht!“, wird schnell in die Diskussion eingeworfen. Und: „Mit dem Abkürzen der Warteschlange ist es ja nicht getan! Es geht um die Kontrolle bei der Einreise! Das ist eine Sauerei wenn andere kontrolliert werden, während die Herren und Damen (Ex)Politiker frech an der Schlange vorbei gehen.“

Als dürfte man eine Stange Zigaretten und eine Flasche Schnaps mehr zollfrei einführen, wenn auch Politiker gefilzt würden. Dazu ist mir herzlich egal, ob Schüssel, Klima, Gusenbauer & Co. zu viele Rauchwaren oder Alkoholika unbemerkt durch den Zoll bringen. Mich bringen eher mein eigener Schnaps, meine Zigarren und der Teppich aus Istanbul ins Schwitzen. „Geh das macht doch jeder. Ich habe einmal….“, kommt dann als Antwort. Es folgen Geschichten von Mortadella und Fliesen aus Italien, Slivowitz aus Jugoslawien und stangenweise Zigaretten aus Spielfeld und vom Loibl. Das aber ist nur für Otto Normalverbraucher ein Kavaliersdelikt, nicht für Politiker. Wie gleich wir doch alle sind!

Bleibt das Prinzip. Welches, wie, oder was das ist, wurde bislang nicht definiert.  Aber Hauptsache wir haben sie. So wie die Marlboro, die wir in Marburg viel billiger bekommen als in Graz.

Der Kirche eine Lanze

Am Sonntag wählen Österreichs Katholiken wieder einmal ihre Pfarrgemeinderäte. 3.000 Pfarren gibt es in Österreich, in deren Pfarrgemeinderäten sich etwa 45.000 Menschen engagieren. 30.000 davon werden alle fünf Jahre gewählt, 15.000 gehören Kraft ihres Amtes dem Pfarrgemeinderat an.

Kaum rückt ein kirchliches Ereignis in den medialen Fokus, kommt bei vielen Bildungsbürgern ein Pawlowscher Reflex zum Vorschein. Dann wird geschimpft und beschimpft was das Zeug hält. Und natürlich werden stereotyp alle antikirchlichen Vorurteile bedient. Da werden Hexenprozesse, die Inquisition, die Eroberung Amerikas, Kindesmissbrauch, der Zölibat und die Kirchensteuer als Beweise vorgebracht wie teuflisch, verlogen, geldgierig etc. die katholische Kirche nicht ist. Als beliebte Orte wo man all das äußert, bieten sich alle möglichen Internetforen an, vor allem aber Facebook, Twitter & Co..

Besonders bemerkenswert ist, dass jene, die sich immer vehement gegen Vorurteile und Stereotype aussprechen, Toleranz predigen und sich oft Gedanken um jede noch so kleine Sekte und Gruppen machen und für die großes Verständnis aufbringen, all das bei der katholischen Kirche jedoch nur allzu gerne vergessen. Im Gegenteil. Wer sich heute freudig zur Kirche bekennt, wird von ihnen ganz schnell als ewig gestriger Frömmler, manchmal sogar pauschal als Verteidiger des Kindesmissbrauchs mit homoerotischen Zügen tituliert.

Nicht, dass es in der katholischen Kirche keine schwarzen Flecken gab und gäbe. Natürlich gibt es vieles, das hinterfragenswert, manchmal auch abstoßend, ist. Wo es Missstände gibt gehören sie natürlich abgeschafft und Vorsorge getroffen, dass ähnliches nicht mehr geschieht.

So negativ wie in der veröffentlichten Meinung dargestellt, ist die katholische Kirche aber auch wieder nicht. Im Gegenteil. Es gibt vieles, wo sie hervorragendes leistet. Sie ist, wie Bischof Egon Kapellari einmal bemerkte, „eine Großmacht der Barmherzigkeit“. Unter ihrem Dach kümmert man sich um Flüchtlinge, Arme und Kranke, um Vertriebene, Alleingelassene, Deprimierte und Verzweifelte. Oft sind Priester und Ordensleute jene, die sich als erste um Menschen in unsäglichen Situationen kümmern. Wenn sich Unglücke und Katastrophen ereignet haben, spenden sie als erste Trost. Ohne viel Getöse, meist unbemerkt und unbedankt. Wer einmal miterlebt hat, wie Menschen in verzweifelten Situationen nach einem Gespräch mit einem Priester oder engagiertem Laien erleichtert und getröstet nach Hause geht, der denkt über Kirche anders. Kirche gibt vielen Halt, den sie sonst nirgends mehr bekommen. Sich darüber lustig zu machen gleicht einer Verhöhnung dieser Menschen.

Natürlich geht man in den Pfarren und Diözesen oft auch falsch mit der öffentlichen Meinung um. Es ist weder schick noch sehr gescheit, seine Gläubigen permanent mit Negativem zu konfrontieren, wie das viele Geistliche tun. Das Dauergejammere über fehlende Priester, sinkende Gläubigenzahlen, die weniger werdenden Ministranten, Erstkommunionkinder und Firmlinge, über reine Ritenkonsumierer und Taufscheinkatholiken, ist eher dazu angetan, die verbliebenen Katholiken zu deprimieren als neue in die Kirche zu bringen. Wie soll ich neue Gruppen ansprechen, wenn ich denen, die noch kommen, immer nur schlechtes über mich erzähle. Das wäre ja so, als würde ein Bäcker seinen Kunden immer erzählen, wie schlecht seine Ware ist.

Dabei ist sie das nicht. Priester zu sein ist ein sehr schöner Beruf. Wo sonst ist man bei allen entscheidenden Situationen der Menschen, wie Geburt, Hochzeit oder Tod, mit dabei? Es gilt, die Vorzüge der Kirche herauszustreichen und nicht das Negative. Das Glas ist immer halbvoll oder halbleer. Wir sollten mehr das halbvolle sehen.

Vom Euro profitiert

Ein altes Sprichwort sagt: „Man schlägt den Sack und meint den Esel“. Wer in letzter Zeit Wirtschaftsberichte verfolgt hat, der wird unweigerlich an dieses Sprichwort erinnert. „Der Euro ist an allem schuld.“ Ist er das auch wirklich?

Seit 2002 ist der Euro in den Brieftaschen der Österreicher. Von Anfang war sein Ruf nicht der Beste. „Teuro“ wurde er genannt, weil viele seine Einführung dazu nutzten, ein wenig aufzurunden. Die Kriterien des Euro waren und sind klar und einfach. Nicht mehr als 3 % Neuverschuldung und maximal 60% Staatsverschuldung gemessen am BIP. Soweit die selbst auferlegten Regeln. An die hält sich mit Ausnahme von Finnland und Luxemburg aber mittlerweile niemand mehr. Aber der Reihe nach.

Als der Euro eingeführt wurde, bekam man für ihn 0,89 Dollar. Eine weiche Währung sei er, nichts wert, lautet der erste Vorwurf. Tatsächlich dauerte es mehr als sieben Monate ehe der Euro die 1-Dollar-Grenze überschritt. Danach ging es stetig bergauf. „Der Euro ist viel zu stark. Er gefährdet unsere Exporte“ lautete daher der nächste Vorwurf. Horrorszenarien was nicht alles passieren wird, wenn er die 1,30-, 1,40- gar 1,50-Grenze überschreitet, machten die Runde. Dabei stieg er sogar bis knapp 1,60. Das war Mitte 2008. Seither bewegt er sich meist zwischen 1,30 und 1,50 Dollar. „Er ist nichts wert und eine weiche Währung, war Vorwurf Nummer 3. Betrachtet man den Wert des Euro seit 2002, hat er gegenüber dem Dollar 44,6% gewonnen, und gegenüber dem Pfund 33,2%. Gegenüber dem Yen verlor er etwa 10%, gegenüber dem Franken büßte er 17,7% ein. Von wegen weicher Währung.

Österreich profitiert am Stärksten vom Euro

Unbestritten ist der Wert des Euro für die europäische Volkswirtschaft. „Es gibt kein Euro-Land, das nicht von der Gemeinschaftswährung profitiert hätte“, erklärte unlängst der internationale Unternehmensberater McKinsey und untermauerte diese Feststellung mit einer brandaktuellen Studie. Demnach hat der Wohlstand der 17 Euroländer durch den Euro allein 2010 um insgesamt 332 Milliarden Euro zugenommen. Die gemeinsame Währung hat den Handel intensiviert, zu niedrigeren Zinskosten geführt, den Wegfall von (Umrechnungs)kosten gebracht und zur Absicherung von Währungsrisiken geführt. Dabei ist die Währungsunion kein Nullsummenspiel. „Es gibt nicht auf der einen Seite Gewinner und dafür auf der anderen Seite Verlierer“, erklärt McKinsey Deutschland Chef Eckart Windhagen. „Es profitieren alle. Die einen mehr, die andere weniger.“

Am meisten profitieren Österreich und Deutschland. 7,8% des BIP verdankte Österreich 2010 dem Euro. Damit liegt unser Land vor Finnland (6,7%) und Deutschland (6,4%) am ersten Platz. In der gesamten Euro-Zone gingen 2010 3,6% des BIP auf Kosten der gemeinsamen Währung. In absoluten Zahlen hat Deutschland die Nase vor. 165 der 332 Mrd. Euro Wohlstandszuwachs 2010 entfallen allein auf unseren nördlichen Nachbar. Damit liegen die Deutschen vor Italien (44 Mrd.) und den Niederlanden (37 Mrd.). Österreich liegt mit 22 Mrd. Zuwachs auf Platz 4. Aber nicht nur der „reiche Norden“ gewinnt, auch der Süden. Wenngleich etwas weniger. Griechenland etwa profitierte 2010 nur mit 172 Mio. Euro von der Gemeinschaftswährung. 0,1% des griechischen BIP gingen 2010 auf den Euro zurück. In Italien waren es 2,7%, in Portugal 2,1% und in Spanien und Frankreich je 0,7%.

 Kein Teuro

Der Euro ist auch nur bedingt ein Teuro. Im letzten Jahr betrug die Inflationsrate in Österreich 3,6%. Das ist viel, aber auch wieder nicht. Wenig ist es im Vergleich zu den Vor-EU-Zeiten. Da lag die Inflation deutlich höher als heute. In den 1970er Jahren lag sie im Schnitt bei 6,1%. Einige Jahre stechen besonders hervor. 1974 lag die Inflation bei 9,5%, 1975 waren es 8,4% und 1976 immerhin auch noch 7,3%. Auch in den 1980ern lag die Inflation höher als heute. Im Jahrzehnte-Durchschnitt waren es 3,8 %. Herausreißer waren etwa 1980 (6,4%), 1981 (6,8%) und 1984 (5,6%). Erst in den 1990ern beruhigte sich die Inflationsrate. 2,4% betrug sie im 10-Jahres-Schnitt. Noch besser entwickelte sie sich in den 2000ern, da lag sie bei 2,0%. Wir haben uns offensichtlich an die niedrige Inflationsrate so gewöhnt, dass wir 3,6% als besonders hoch empfinden. Verglichen mit dem EU-Ausland ist es das auch. Im EU-Durchschnitt lag die Inflationsrate 2011 bei 3,1%, in der Eurozone bei 2,7%. Österreich liegt mit seinen 3,6% deutlich darüber und in etwa auf dem Niveau von Bulgarien (3,4%), Belgien (3,5%), Portugal (3,6%), Polen (3,9%), und Ungarn (3,9%). Dass es aber auch viel besser geht beweisen Schweden (1,4%), Deutschland (2,5%), Frankreich (2,3%) Italien (2,9%) und andere. Der Euro ist also nicht überall ein Teuro. Hauptschuld tragen bei uns die hohen Treibstoffpreise. Länder, die weniger vom Öl abhängig sind wie wir, schneiden deutlich besser ab.

Triple A Verlust

Es ist also nicht der Euro in der Krise, die Staaten sind es. Österreich leistet sich den Luxus einer hohen Staatsverschuldung (72,2% des BIP) bei gleichzeitig hoher Steuerquote (42,1%). Anstatt in Infrastruktur, Bildung etc. zu investieren, investieren wir lieber in Zinsrückzahlungen, Frühpensionen und anderes. 2011 wurden weit über 8 Mrd. Euro allein für Zinszahlungen verwendet, 2012 werden es über 9 Milliarden Euro sein. Das entspricht in etwa dem doppelten Landesbudget der Steiermark. Seit Jahren wird gefordert, dass unser Staat effizienter und sparsamer werden soll. Ohne Erfolg. Standard & Poor´s hat dem Rechnung getragen und das Rating Österreichs von Tripe A auf AA+ zurückgenommen. Natürlich kann man den Amerikanern vorwerfen, dass sie z.B. die Risiken in Osteuropa anders sehen als wir, an der hohen Staatsverschuldung und den hohen Verwaltungskosten sind sie aber sicher nicht schuld. Das waren schon wir. Wir haben einfach zu viel ausgegeben.