Für dumm verkauft

Lang, lang ist es her, dass der Simmerstatter das letzte Mal etwas gebloggt hat. Das hat einen simplen Grund: ich bin sprachlos. Sprachlos was sich derzeit in diesem schönen Land abspielt. Vor allem in der Politik.

Heute ist mir schon in aller Herrgottsfrüh der Hut hochgegangen. Was müsste ich da lesen? „Streit ums Heer eskaliert • Grüne kritisieren: „400 Wehrpflichtige müssen die Eurofighter-Hallen bewachen“. Im Text kommt es noch knüppeldicker-: „Gegen ein Festhalten an der Wehrpflicht liefern die Grünen neue Argumente: So erhalten jährlich 400 Präsenzdiener den Befehl, die Eurofighter-Hallen in Zeltweg zu bewachen.“

Na hoffentlich! Jeder Jäger muss seine Waffen sicher verwahren und vor unerlaubten Zugriffen sichern, dann wird das hoffentlich auch für unser Bundesheer gelten. Es sollte eigentlich auch den Grünen einleuchten, dass  eine Halle in der Fluggerät im Wert von 2. Mrd. Euro parkt,  das noch dazu mit allerlei schweren Waffen bestrückt ist, rund um die Uhr bewacht werden muss. Und da das Jahr bekanntlich 365 Tage hat und die Halle hoffentlich jeden Tag bewacht wird, werden über das Jahr, wenn nur ein Präsenzdiener die Halle bewacht, ziemlich genau 365 dafür notwendig sein. In Schaltjahren sogar 366! Grün-kaufmännisch-gerundet mach das dann 400.

Es geht aber noch dümmer: „Während in der gleichen Zeit (einem Jahr, Anm.) nur 115 Wehrpflichtige zu Panzergrenadieren und 1306 zu Infanteristen ausgebildet werden, müssen 400 Präsenzdiener ihren Dienst als „Nachtwächter“ am Flughafen in Zeltweg absitzen und dort 15 Eurofighter bewachen.“ Dümmer geht’s nimmer!

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Das wäre ja so als würde ich sagen: „Während ich an 365 Tagen meine Wohnungstüre absperre und darauf achte, dass mein Laptop nicht geklaut wird, besuchen meine Kinder an nur rund 170 Tagen die Schule.“ Frei nach Grün: „Dem Simmerstatter ist die Bildung seiner Kinder weniger wert als sein Laptop!“ Nur: was hat (in beiden Fällen) das eine mit dem anderen zu tun?

Abgesehen von der dummen Argumentation regen mich zwei Umstände an der Grünen Wehrpflicht-Geschichte besonders auf: Erstens, dass durch solche Argumente die Österreicher in Bausch und Bogen für ziemlich dumm verkauft werden. Jeder, der halbwegs 1 + 1 zusammenzählen kann, kann diese Geschichte leicht widerlegen. Dennoch wird so ein Blödsinn öffentlich medial kundgetan. Zweitens: erleiden durch solche und ähnliche Dummheiten unserer Politiker und unsere Demokratie einen Kollateralschaden sondergleichen.

Der Gerechtigkeit halber muss ich aber auch gestehen, dass die Grünen bei weitem nicht die einzigen sind, die die Österreicher für derart dumm verkaufen. Im Gegensatz zu anderen überrascht es bei den Grünen aber doch einigermaßen, wenn sie zu solch dummen Argumenten greifen nur um sich einem potentiellen Koalitionspartner (oder gar einem Massenmedium?) anzubiedern.

Ein anderer dem zurzeit nichts zu dumm ist, ist Frank Stronach. Der zieht momentan wie der Rattenfänger von Hameln mit einigen Wendehälsen durchs das Land und spielt dabei auch geschickt am Klavier von Vorurteilen, Populistischen Stammtisch-Geplärre und schlechtem Benehmen. Natürlich geht es auch bei ihm in erster Linie gegen die  EU. Dass er und sein Firmenimperium von der gemeinsamen Währung, offenen Grenzen etc. am meisten profitiert haben, das macht gar nix. Ebenso wenig wie sein Motto: „Wer das Geld hat macht die Regeln“. Interessanterweise kommt Stronach damit just bei jenen die von dem am allerwenigsten haben besonders gut an.

Überhaupt scheint Wasser zu predigen und Wein zu trinken zur neuen Ideologie zu werden. Stronach ist nur ein Beispiel dafür. Zwei andere sind Josef Bucher und Stefan Petzner. Vor allem letzterer schreit heute am lautesten „Haltet den Dieb“, obwohl er einst am engsten mit Jörg Haider zusammengearbeitet hat und maßgeblich am System Haider mitgebaut hat. Kümmert es wen? Nein!

Mir würden noch viele einfallen die eifrig am Niedergang unserer Demokratie mitarbeiten. Die durch Wendehalsigkeit, Rückgratlosigkeit, Vorstrafen, Voruntersuchungen, Erhebungen, das Versprühen von Gift und Galle, Lügen und Betrügen, das Brechen von in Stein gemeißelten etc. auffallen. Und das beschränkt sich gar nicht  nur auf die Politik.

Hoffentlich finden wir schnell wieder zu einem neuen Stil in diesem Land. Denn wenn nicht, dann schauen wir womöglich eines Tages ziemlich dumm aus der Wäsche und sind dann erst so richtig verkauft.

Suderantentum

Österreich ist ein herrliches Land. Es ist schön, hat kulturell einiges zu bieten und ist der Feinkostladen Europas. Das Land hat nur einen klitzekleinen Schönheitsfehler: seine Bewohner können sich nicht freuen. Am wenigsten über eigene Leistungen.

Dass selbst hochgebildete, nette, kultivierte und stets freundliche Österreicher und –innen gerne dem Suderantentum anhängen kann man an den Reaktionen auf den Stratosphärensprung Felix´ Baumgartners gut erkennen. Da fährt ein Österreicher mit einem eigens für diesen Sprung entwickelt Ballon bzw. einer Spezialkapsel, in einem Druckanzug der alle technischen Stückerln spielt, in rund zweieinhalb Stunden auf 39 km hoch, um dann im freien Fall den Großteil der Strecke in etwas mehr als vier Minuten und mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 1300 km/h zu absolvieren. Er bricht dabei zumindest drei, wahrscheinlich sogar vier, Rekorde die allesamt aus den 1960er Jahren stammen und anstatt sich zu freuen und Beifall zu klatschen wird gemotschgert was das Zeug hält.

„Ein Marketing-Gag“, „ hinausgeschmissenes Geld“, „kein Wissenschaftlicher Wert“, „reine Wichtigmacherei“, „Egotrip“ und viel noch Unfreundlicheres bekommt man in diesem Zusammenhang zu lesen und zu hören. Da hilft es auch nichts, dass sich in Österreich 2,7 Mio. Menschen (2,3 Mio. via ORF, knapp 400.000 via Servus-TV) vor dem Fernsehapparat versammelt haben. Nicht schlecht für ein Land von 8 Millionen Einwohnern! Apropos acht Millionen. Acht Millionen Menschen haben zeitgleich allein via Youtube zugesehen. Neuer Rekord! Das sind ja nur um 7,5 Million mehr als beim alten Youtube-Rekord, dem 100-Meter-Sprint bei den heurigen Olympischen Spielen in London. Und dass den Österreichern quer über alle Altersschichten und über Stunden Physik in einer sehr sympathischen und unterhaltsamen Art und Weise näher gebracht wird, das zählt schon gar nicht. Übrigens ebenso wenig wie die positive Nennung des Landes in allen Medien der Welt.

Liebe Leute, wir motschgern uns zu Tode. Ob Stratosphärensprung, Jelinek-Nobelpreis, Opernball oder was auch immer, wir finden immer ein Haar in der Suppe. Selbst wenn um die Suppenschüssel lauter Glatzköpfe sitzen. Ganz besonders schlimm ist es wenn erfolgreiche Unternehmen in die Sache verwickelt sind, wie Zum Beispiel Red Bull. Dass das Salzburger Unternehmen mit einem Markenwert von knapp 14 Milliarden Euro die mit weitem Abstand wertvollste Marke Österreichs ist, und dazu die einzige Marke der Alpenrepublik ist die sich auch international messen lassen kann, beeindruckt hier niemanden. Als wäre es ein Klacks so etwas zu erreichen.

Überhaupt gibt es nichts Schlimmeres in Österreich als Erfolg. Wer nun glaubt, dass hierzulande nur der Misserfolg glücklich macht, der liegt ebenso falsch. Die schwarze Null, das macht den Österreicher glücklich. Oder kurz gesagt: das Mittelmaß. Kein Erfolg ist ruinös, zu viel Erfolg ruft nur die Neider auf den Plan, also bleiben wir schön beim Mittelmaß.

Das beklagen wir dann aber auch und finden 1000 und eine Ausrede warum das so ist wie es ist. Weil der Rasen schlecht ist, die anderen das bessere Wachs, den besseren Anzug, oder den stärkeren Motor haben. Weil die anderen 10 Mal mehr Einwohner haben, ihr Land an Quadratkilometern viel größer und klimatisch gesegneter ist, unser Land nicht am Meer liegt, die anderen die höheren und spitzeren Berge oder einfach mehr Geld haben. Oder weil sie viel ärmer als wir sind, über eine bessere Moral verfügen, nicht so gutes Material haben, sich bei den anderen mehr dafür interessieren und sowieso alles bei den anderen viel besser ist und schmeckt.

Mir hängen die Suderanten zum Halse heraus. Mit ihnen kann man nicht nur keinen Krieg gewinnen, man verliert auch die Zukunft mit ihnen. Es wird Zeit, dass das endlich geändert wird und ich fange damit jetzt an: Österreich Du bist super. Du hast bewiesen, dass man auch als kleines Land großes leisten kann! Bravo Felix Baumgartner und all die anderen die sich etwas trauen, erfinden, tüffteln, ihre Grenzen ausloten und sich trauen diese zu überschreiten. Danke auch dass es Sponsoren gibt die das alles ermöglichen, egal ob Öffentliche oder Private. Ich bin stolz auf Dich und Deine Leistungen. Mach weiter so und trau Dich noch viel mehr! Und ihr: hört endlich auf zu jammern und zu sudern!

Neidkomplex

Also einmal ehrlich: wen kümmert es, wenn er am Flughafen Wien-Schwechat in einer   Warteschlange auf den Flug nach Malta wartet, wenn zur gleichen Zeit ein anderer österreichischer Staatsbürger am Flughafen Singapur schneller als andere in seiner Reihe seinen Flieger betreten kann? Niemanden, ganz richtig! Erstens hebt das Flugzeug dadurch auch nicht früher ab, denn das geschieht ja erst, wenn alle an Bord sind. Zweitens: wer befasst sich schon mit solchen Banalitäten? Schon gar nicht, wenn das zu unterschiedlichen Zeiten passiert und man vielleicht selbst gar nicht fliegt.

Wenn es aber einen österreichischen Parlamentarier, oder gar ein ehemaliges Regierungsmitglied betrifft, dann wird daraus ein Skandal, der mehrere Zeitungsseiten, Hörfunkjournale und Fernsehendungen verbraucht, und das gleich an mehreren Tagen im Jahr. Die Stumpfsinnigkeit solcher Meldungen regt offensichtlich niemanden auf. Im Gegenteil, mit der Geschichte um die Vergabe der Diplomatenpässe, die diese Ungeheuerlichkeit ermöglichen, lässt sich wieder einmal trefflich auf die Politik eindreschen. „Weil es ums Prinzip geht!“, wird schnell in die Diskussion eingeworfen. Und: „Mit dem Abkürzen der Warteschlange ist es ja nicht getan! Es geht um die Kontrolle bei der Einreise! Das ist eine Sauerei wenn andere kontrolliert werden, während die Herren und Damen (Ex)Politiker frech an der Schlange vorbei gehen.“

Als dürfte man eine Stange Zigaretten und eine Flasche Schnaps mehr zollfrei einführen, wenn auch Politiker gefilzt würden. Dazu ist mir herzlich egal, ob Schüssel, Klima, Gusenbauer & Co. zu viele Rauchwaren oder Alkoholika unbemerkt durch den Zoll bringen. Mich bringen eher mein eigener Schnaps, meine Zigarren und der Teppich aus Istanbul ins Schwitzen. „Geh das macht doch jeder. Ich habe einmal….“, kommt dann als Antwort. Es folgen Geschichten von Mortadella und Fliesen aus Italien, Slivowitz aus Jugoslawien und stangenweise Zigaretten aus Spielfeld und vom Loibl. Das aber ist nur für Otto Normalverbraucher ein Kavaliersdelikt, nicht für Politiker. Wie gleich wir doch alle sind!

Bleibt das Prinzip. Welches, wie, oder was das ist, wurde bislang nicht definiert.  Aber Hauptsache wir haben sie. So wie die Marlboro, die wir in Marburg viel billiger bekommen als in Graz.

Der Kirche eine Lanze

Am Sonntag wählen Österreichs Katholiken wieder einmal ihre Pfarrgemeinderäte. 3.000 Pfarren gibt es in Österreich, in deren Pfarrgemeinderäten sich etwa 45.000 Menschen engagieren. 30.000 davon werden alle fünf Jahre gewählt, 15.000 gehören Kraft ihres Amtes dem Pfarrgemeinderat an.

Kaum rückt ein kirchliches Ereignis in den medialen Fokus, kommt bei vielen Bildungsbürgern ein Pawlowscher Reflex zum Vorschein. Dann wird geschimpft und beschimpft was das Zeug hält. Und natürlich werden stereotyp alle antikirchlichen Vorurteile bedient. Da werden Hexenprozesse, die Inquisition, die Eroberung Amerikas, Kindesmissbrauch, der Zölibat und die Kirchensteuer als Beweise vorgebracht wie teuflisch, verlogen, geldgierig etc. die katholische Kirche nicht ist. Als beliebte Orte wo man all das äußert, bieten sich alle möglichen Internetforen an, vor allem aber Facebook, Twitter & Co..

Besonders bemerkenswert ist, dass jene, die sich immer vehement gegen Vorurteile und Stereotype aussprechen, Toleranz predigen und sich oft Gedanken um jede noch so kleine Sekte und Gruppen machen und für die großes Verständnis aufbringen, all das bei der katholischen Kirche jedoch nur allzu gerne vergessen. Im Gegenteil. Wer sich heute freudig zur Kirche bekennt, wird von ihnen ganz schnell als ewig gestriger Frömmler, manchmal sogar pauschal als Verteidiger des Kindesmissbrauchs mit homoerotischen Zügen tituliert.

Nicht, dass es in der katholischen Kirche keine schwarzen Flecken gab und gäbe. Natürlich gibt es vieles, das hinterfragenswert, manchmal auch abstoßend, ist. Wo es Missstände gibt gehören sie natürlich abgeschafft und Vorsorge getroffen, dass ähnliches nicht mehr geschieht.

So negativ wie in der veröffentlichten Meinung dargestellt, ist die katholische Kirche aber auch wieder nicht. Im Gegenteil. Es gibt vieles, wo sie hervorragendes leistet. Sie ist, wie Bischof Egon Kapellari einmal bemerkte, „eine Großmacht der Barmherzigkeit“. Unter ihrem Dach kümmert man sich um Flüchtlinge, Arme und Kranke, um Vertriebene, Alleingelassene, Deprimierte und Verzweifelte. Oft sind Priester und Ordensleute jene, die sich als erste um Menschen in unsäglichen Situationen kümmern. Wenn sich Unglücke und Katastrophen ereignet haben, spenden sie als erste Trost. Ohne viel Getöse, meist unbemerkt und unbedankt. Wer einmal miterlebt hat, wie Menschen in verzweifelten Situationen nach einem Gespräch mit einem Priester oder engagiertem Laien erleichtert und getröstet nach Hause geht, der denkt über Kirche anders. Kirche gibt vielen Halt, den sie sonst nirgends mehr bekommen. Sich darüber lustig zu machen gleicht einer Verhöhnung dieser Menschen.

Natürlich geht man in den Pfarren und Diözesen oft auch falsch mit der öffentlichen Meinung um. Es ist weder schick noch sehr gescheit, seine Gläubigen permanent mit Negativem zu konfrontieren, wie das viele Geistliche tun. Das Dauergejammere über fehlende Priester, sinkende Gläubigenzahlen, die weniger werdenden Ministranten, Erstkommunionkinder und Firmlinge, über reine Ritenkonsumierer und Taufscheinkatholiken, ist eher dazu angetan, die verbliebenen Katholiken zu deprimieren als neue in die Kirche zu bringen. Wie soll ich neue Gruppen ansprechen, wenn ich denen, die noch kommen, immer nur schlechtes über mich erzähle. Das wäre ja so, als würde ein Bäcker seinen Kunden immer erzählen, wie schlecht seine Ware ist.

Dabei ist sie das nicht. Priester zu sein ist ein sehr schöner Beruf. Wo sonst ist man bei allen entscheidenden Situationen der Menschen, wie Geburt, Hochzeit oder Tod, mit dabei? Es gilt, die Vorzüge der Kirche herauszustreichen und nicht das Negative. Das Glas ist immer halbvoll oder halbleer. Wir sollten mehr das halbvolle sehen.

Vom Euro profitiert

Ein altes Sprichwort sagt: „Man schlägt den Sack und meint den Esel“. Wer in letzter Zeit Wirtschaftsberichte verfolgt hat, der wird unweigerlich an dieses Sprichwort erinnert. „Der Euro ist an allem schuld.“ Ist er das auch wirklich?

Seit 2002 ist der Euro in den Brieftaschen der Österreicher. Von Anfang war sein Ruf nicht der Beste. „Teuro“ wurde er genannt, weil viele seine Einführung dazu nutzten, ein wenig aufzurunden. Die Kriterien des Euro waren und sind klar und einfach. Nicht mehr als 3 % Neuverschuldung und maximal 60% Staatsverschuldung gemessen am BIP. Soweit die selbst auferlegten Regeln. An die hält sich mit Ausnahme von Finnland und Luxemburg aber mittlerweile niemand mehr. Aber der Reihe nach.

Als der Euro eingeführt wurde, bekam man für ihn 0,89 Dollar. Eine weiche Währung sei er, nichts wert, lautet der erste Vorwurf. Tatsächlich dauerte es mehr als sieben Monate ehe der Euro die 1-Dollar-Grenze überschritt. Danach ging es stetig bergauf. „Der Euro ist viel zu stark. Er gefährdet unsere Exporte“ lautete daher der nächste Vorwurf. Horrorszenarien was nicht alles passieren wird, wenn er die 1,30-, 1,40- gar 1,50-Grenze überschreitet, machten die Runde. Dabei stieg er sogar bis knapp 1,60. Das war Mitte 2008. Seither bewegt er sich meist zwischen 1,30 und 1,50 Dollar. „Er ist nichts wert und eine weiche Währung, war Vorwurf Nummer 3. Betrachtet man den Wert des Euro seit 2002, hat er gegenüber dem Dollar 44,6% gewonnen, und gegenüber dem Pfund 33,2%. Gegenüber dem Yen verlor er etwa 10%, gegenüber dem Franken büßte er 17,7% ein. Von wegen weicher Währung.

Österreich profitiert am Stärksten vom Euro

Unbestritten ist der Wert des Euro für die europäische Volkswirtschaft. „Es gibt kein Euro-Land, das nicht von der Gemeinschaftswährung profitiert hätte“, erklärte unlängst der internationale Unternehmensberater McKinsey und untermauerte diese Feststellung mit einer brandaktuellen Studie. Demnach hat der Wohlstand der 17 Euroländer durch den Euro allein 2010 um insgesamt 332 Milliarden Euro zugenommen. Die gemeinsame Währung hat den Handel intensiviert, zu niedrigeren Zinskosten geführt, den Wegfall von (Umrechnungs)kosten gebracht und zur Absicherung von Währungsrisiken geführt. Dabei ist die Währungsunion kein Nullsummenspiel. „Es gibt nicht auf der einen Seite Gewinner und dafür auf der anderen Seite Verlierer“, erklärt McKinsey Deutschland Chef Eckart Windhagen. „Es profitieren alle. Die einen mehr, die andere weniger.“

Am meisten profitieren Österreich und Deutschland. 7,8% des BIP verdankte Österreich 2010 dem Euro. Damit liegt unser Land vor Finnland (6,7%) und Deutschland (6,4%) am ersten Platz. In der gesamten Euro-Zone gingen 2010 3,6% des BIP auf Kosten der gemeinsamen Währung. In absoluten Zahlen hat Deutschland die Nase vor. 165 der 332 Mrd. Euro Wohlstandszuwachs 2010 entfallen allein auf unseren nördlichen Nachbar. Damit liegen die Deutschen vor Italien (44 Mrd.) und den Niederlanden (37 Mrd.). Österreich liegt mit 22 Mrd. Zuwachs auf Platz 4. Aber nicht nur der „reiche Norden“ gewinnt, auch der Süden. Wenngleich etwas weniger. Griechenland etwa profitierte 2010 nur mit 172 Mio. Euro von der Gemeinschaftswährung. 0,1% des griechischen BIP gingen 2010 auf den Euro zurück. In Italien waren es 2,7%, in Portugal 2,1% und in Spanien und Frankreich je 0,7%.

 Kein Teuro

Der Euro ist auch nur bedingt ein Teuro. Im letzten Jahr betrug die Inflationsrate in Österreich 3,6%. Das ist viel, aber auch wieder nicht. Wenig ist es im Vergleich zu den Vor-EU-Zeiten. Da lag die Inflation deutlich höher als heute. In den 1970er Jahren lag sie im Schnitt bei 6,1%. Einige Jahre stechen besonders hervor. 1974 lag die Inflation bei 9,5%, 1975 waren es 8,4% und 1976 immerhin auch noch 7,3%. Auch in den 1980ern lag die Inflation höher als heute. Im Jahrzehnte-Durchschnitt waren es 3,8 %. Herausreißer waren etwa 1980 (6,4%), 1981 (6,8%) und 1984 (5,6%). Erst in den 1990ern beruhigte sich die Inflationsrate. 2,4% betrug sie im 10-Jahres-Schnitt. Noch besser entwickelte sie sich in den 2000ern, da lag sie bei 2,0%. Wir haben uns offensichtlich an die niedrige Inflationsrate so gewöhnt, dass wir 3,6% als besonders hoch empfinden. Verglichen mit dem EU-Ausland ist es das auch. Im EU-Durchschnitt lag die Inflationsrate 2011 bei 3,1%, in der Eurozone bei 2,7%. Österreich liegt mit seinen 3,6% deutlich darüber und in etwa auf dem Niveau von Bulgarien (3,4%), Belgien (3,5%), Portugal (3,6%), Polen (3,9%), und Ungarn (3,9%). Dass es aber auch viel besser geht beweisen Schweden (1,4%), Deutschland (2,5%), Frankreich (2,3%) Italien (2,9%) und andere. Der Euro ist also nicht überall ein Teuro. Hauptschuld tragen bei uns die hohen Treibstoffpreise. Länder, die weniger vom Öl abhängig sind wie wir, schneiden deutlich besser ab.

Triple A Verlust

Es ist also nicht der Euro in der Krise, die Staaten sind es. Österreich leistet sich den Luxus einer hohen Staatsverschuldung (72,2% des BIP) bei gleichzeitig hoher Steuerquote (42,1%). Anstatt in Infrastruktur, Bildung etc. zu investieren, investieren wir lieber in Zinsrückzahlungen, Frühpensionen und anderes. 2011 wurden weit über 8 Mrd. Euro allein für Zinszahlungen verwendet, 2012 werden es über 9 Milliarden Euro sein. Das entspricht in etwa dem doppelten Landesbudget der Steiermark. Seit Jahren wird gefordert, dass unser Staat effizienter und sparsamer werden soll. Ohne Erfolg. Standard & Poor´s hat dem Rechnung getragen und das Rating Österreichs von Tripe A auf AA+ zurückgenommen. Natürlich kann man den Amerikanern vorwerfen, dass sie z.B. die Risiken in Osteuropa anders sehen als wir, an der hohen Staatsverschuldung und den hohen Verwaltungskosten sind sie aber sicher nicht schuld. Das waren schon wir. Wir haben einfach zu viel ausgegeben.

Donauland Zentrismus

Was haben Wien und Kärnten gemeinsam? In beiden Ländern ist die ÖVP ein Minderheitenprogramm. In Kärnten kam sie bei den letzten Landtagswahlen 2009 auf 16,83%, in Wien erreichte sie bei den letztjährigen Gemeinderatswahlen 13,99%. Wer aber glaubt, dass beide Länder damit das gleiche Gewicht in der Bundes-ÖVP haben, der irrt. Während man Kärntner mit der Lupe suchen muss, stellt die Wiener ÖVP mit Sebastian Kurz nicht nur ein Regierungsmitglied, sondern auch den Obmann der Jungen ÖVP.

Damit wäre ich auch schon beim Thema Volkspartei. Die entwickelt sich immer mehr zu einer Donauland-Filiale, in der Oberösterreicher, Niederösterreicher und (mit Einschränkungen) Wiener den Ton angeben. Ein Blick auf die Bünde spricht Bände. Bauernbund und Wirtschaftsbund werden von den Oberösterreichern Jakob Auer und Christoph Leitl geführt, ÖAAB und ÖVP-Frauen von den Niederösterreicherinnen Johanna Mikl-Leitner und Dorothes Schittenhelm, die Junge ÖVP wie berichtet vom Wiener Sebastian Kurz. Einzig der Seniorenbund hat mit Andreas Khol einen Alpenländer, Tiroler, zum Vorsitzenden.

In der Regierung sieht es ganz ähnlich aus. Von neun ÖVP-Regieren stammen zwei aus Oberösterreich (Maria Fekter und Reinhold Mitterlehner), zwei kommen aus Niederösterreich (Michael Spindelegger und Johanna Mikl-Leitner). Aus Wien ist wie erwähnt Sebastian Kurz und, mit Abstrichen, auch Wolfgang Waldner. Der ist zwar gebürtiger Villacher hat aber seit 1973 seinen Lebensmittelpunkt mehr oder minder in Wien.  Je ein Mitglied der Bundesregierung kommt noch aus dem  Burgenland (Nikolaus Berlakovich), Tirol (Karl-Heinz Töchterle) bzw. der Steiermark (Beatrix Karl).

Die steirische ÖVP ist nach dem Ausscheiden von Fritz Grillitsch als Bauernbundpräsident wohl endgültig zum Statisten der Bundes-ÖVP geworden. Ein Regierungsmitglied ist die magere weiß-grüne Ausbeute. Als ob das nicht genug wäre, wird man auch sonst, gemeinsam mit den Kärntnern, bei wichtigen Infrastruktur-Projekten oft alleine gelassen. Der Semmering-Basistunnel wurde nur mit Mühen gegen die eigenen Parteifreunde durchgesetzt, der Koralm-Tunnel wird regelmäßig in Frage gestellt und dass man lieber in die Westbahn investiert ist auch hinlänglich bekannt. Hauptsache an der Donau ist alles in Ordnung. Denn Niederösterreich ist ja eine der großen und wichtigen Regionen in Europa. Vergleichbar mit dem Ruhrgebiet und der Lombardei bzw. der Emilia-Romagna. Die Dominanz des Herrn aus St. Pölten wird allmählich unerträglich.

Dabei stellt sich auch eine grundsätzlich Frage: warum sollte man bei Bundeswahlen als Kärntner oder Steirer noch ÖVP wählen? Wenn doch ganz offensichtlich am Donauland-Wesen die Welt der ÖVP genesen wird? Erstreckt sich die ÖVP etwa nicht auf ganz Österreich? Wer eine Donauland Volkspartei haben will, der soll damit auch auf Bundesebene antreten. Oder reicht das dann doch nicht ganz aus und sind die Stimmen aus der Steiermark und Kärnten, aus Vorarlberg, Tirol, Salzburg und dem Burgenland dann doch wieder willkommen?

Vom Ende der politischen Solidarität

Die Eurobonds sind momentan der große Aufreger in Europa. Während die einen sie als Allheilmittel betrachten, wehren sich vor allem deutsche und österreichische Politiker vehement dagegen. Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Werner Faymann, Maria Fekter & Co. singen dabei alle dasselbe Lied: „Wie kommen unsere guten Wirtschaften dazu, für die miesen in Griechenland, Portugal und Irland zu zahlen“, “Die haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, und wollen uns jetzt zur Kasse bitten“, und „Allein schon aus erzieherischen Gründen werden wir das nicht zulassen“. So klingen die einzelnen Strophen dieses Liedes und der Boulevard und viele Intellektuelle stimmen gleich ordentlich mit ein. So weit, so einfach.

Diese populistischen Stehsätze sind aber nicht nur ein Beweis für einen gewissen Widerstandgeist, sie sind vor allem ein Beweis dafür, dass selbst Europas Spitzenpolitiker in ihren Köpfen nicht reif für Europa sind und noch in alten Denkmustern der Nationalstaaterei verharren. Was haben wir in den Jahren nicht alles an Europa-Beschwörungsformeln gehört?  „Wir müssen zusammenrücken und zusammenwachsen“ „Wir sind ein Kulturkreis mit gemeinsamen Werten und gemeinsamer Wirtschaft“ und „Einheit in der Vielfalt“. Alles Blabla. Bei Schönwetter lässt sich leicht vom wolkenlosen Himmel reden.

Europa steht am Scheideweg. Jetzt entscheidet sich wohin die Reise geht. In Richtung „Vereinigte Staaten von Europa“ oder zurück zur europäischen Kleinstaaterei mit vielen Währungen, Grenzen und wirtschaftlichen Schranken. Schon sind sie wieder da, die Gestalten der Vergangenheit. Dänemark führt wieder Grenzkontrollen ein, in Österreich träumen immer mehr vom alten Schilling und Europas Spitzenpolitiker entsorgen gerade die Solidarität.

Nur, wer die Solidarität mit Griechenland, Portugal und Irland in Frage stellt, der stellt politische Solidarität an sich zur Diskussion. Wie kommen die Oberösterreicher dazu für die Schulden der Kärntner gerade zu stehen? Wieso sollen die Bezirke Graz, Mödling und Bludenz die Bezirke Jennersdorf,  Feldbach und Lienz stützen? Ja, und wieso sollen die Gemeinden Seiersberg, Vösendorf und Lech, Aug-Radisch, Tschanigraben und Breitenfeld am Tannenriegel mitfinanzieren? Weil sie die gleiche Sprache sprechen, die gleiche Religion haben, uns einfach nahe sind? Von Graz nach Bregenz ist es gleich weit wie nach Sarajevo,  Bologna und Kattowitz.

Europa ist ein kleiner Kontinent.  Ja, streng genommen nur das letzte Fünftel von Eurasien. Die EU umfasst geografisch gerade einmal die Hälfte unseres Kontinents. Zugegeben, die wirtschaftlich starke Hälfte. Dennoch sind wir im Vergleich zu den USA, China, Brasilien und Indien ein Zwerg. Denn an Größe, meist auch an Einwohnern, an Bodenschätzen und vielem mehr übertreffen uns diese Staaten. Wenn Österreich Griechenland die Freundschaft aufkündigt, klingt das nach Aufruhr im Zwergenreich. Umgerechnet auf US-Amerikanische Bundesstaaten wäre das, so als würde South Carolina Lousiana die Solidarität aufkündigen.

Es wird Zeit, dass wir endlich europäisch und nicht mehr nationalstaatlich denken. Es wird Zeit, dass wir endlich Europa in die Köpfe und Herzen bekommen und endlich den Sonntagsreden auch Taten folgen lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass uns das Hoheitsrechte kostet und Österreich auf den Status eines Bundesstaates reduziert wird. Die Wirtschaft denkt seit langem schon übernational, die Politik sollte das endlich auch tun und nicht unsolidarisch in die andere Richtung gehen.

Angst vor dem Sommer

Ich fürchte mich jedes Jahr extrem vor dem Sommer. Nicht, weil die lauschigen Sommernächte so besonders dunkel oder gefährlichen wären. Nicht, weil ich mich vor dem Zeugnis meines Juniors fürchten müsste. Im Gegenteil, der ist im Gegensatz zu seinem Vater ein exzellenter Schüler. Ich fürchte mich nicht vor dem Sommer, weil die Geburtstage meiner Herzallerliebsten, meines Vaters und meiner Tochter knapp hintereinander einen ordentlichen Brenner am Konto verursachen. Im Gegenteil, diese lieben Menschen haben sich viele, teure und originelle Geschenke mehr als verdient. Ich fürchte mich vor dem Sommer, weil er die Zeit der größtmöglichen politischen Dummheit ist.

Kaum ist die letzte Schulglocke verstummt, schon sind sie da: die politischen Sommerthemen. Sie sind unnötig wie ein Kropf, kosten meist sehr viel, sind aus dem Augenblick heraus geboren, haben einen lange Nachwirkung und geben letztendlich einen bezeichnenden Blick auf den Geisteszustand der Spezies Politiker, manchmal sogar des ganzen Landes.

Wie unlängst die Diskussion um „die Töchter, Söhne“ in der Bundeshymne. Weil eine sich zurückziehende Politikerin, die eigentlich nur durch ihre asymmetrisch getragenen Ohrringe auffiel, sich noch schnell ein Denkmal setzen wollte, muss nun unsere Bundeshymne gendermäßig geändert werden. Nicht, dass es dazu nicht auch einen „normalen“ Weg gegeben hätte. Der war für sie im ÖVP-Club offensichtlich nicht gangbar. Na dann, probieren wir es halt mit der Brechstange und den politischen Gegnerinnen im Konzert. Die Retourkutsche der ÖVP-Männer fiel dementsprechend aus. Mit dem Erfolg, dass sich nun alle blamiert haben.

Bravo, Frau Rauch-Kallat! Die ÖVP hat sich wegen der Posse blamiert und steht als ewig gestrige Macho-Partei da. Die Frauen haben sich blamiert weil es bei Gott wichtigere Themen für sie gibt als ein neues Wort in der Bundeshymne. Ich denke da nur an „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, mehr Kinderbetreuungsplätze, besser Bildungspolitik etc. Frau Rauch-Kallat hat sich blamiert weil sie nicht einmal ihren eigenen Club von ihrem Tun überzeigen konnte, geschweige denn die Österreicherinnen und Österreicher. „Es ist ein Zeichen für die Frauen!“ Die vielen Zeichen dieser Sorte, wie etwa das Binnen-I, der Gender-Unsinn etc., haben den Frauen nichts, aber auch gar nichts, gebracht. Nicht mehr Geld, nicht mehr Kinderkrippen, nicht bessere Schulen, rein gar nichts.

Hat die Diskussion um die Bundeshymne wenigstens der ÖVP Stimmen gebracht? Sicher nicht! Denn in der ÖVP sind (lt. jüngster Market-Umfrage) die im Beruf erfolgreichen (18%), das Erreichte bewahren wollende (16%), gut gebildeten (14%), sich in der Politik auskennenden (14%) Familienmenschen (15%) zu Hause. Die hat das Gezeter um die neue Hymne sicher nicht beeindruckt, wohl eher verschreckt, sicher sogar vertrieben. Dass wegen der neuen Bundeshymne plötzlich Rot-, Grün- und Orange-Wähler ÖVP ankreuzen, das glaubt wohl niemand. Wohl nicht einmal Frau Rauch-Kallat. Also: Verlierer und Blamierte soweit das Auge reicht.

Halt, einen Gewinner gibt es dennoch: HC Strache. Der lacht sich wegen der Dummheit der anderen schon jetzt ins Fäustchen. Nur noch zwei solcher Sommer mit solchen Themen und er ist am Ziel. Schauderbar!

 

Yes, I can!

Was haben die erfolgreiche Absolvierung einer Kur und die oft geforderte Verwaltungsreform im Staate Österreich gemeinsam? Nicht viel, möchte man meinen. Möchte man! Wenn man sich beides näher betrachtet, mehr als man denkt.

Wie die meisten wissen dürften, habe ich eine echte Mammutkur hinter mir. Seit mittlerweile 20 Wochen kasteie ich mich mehr oder minder. Zunächst mehr. Denn 12 Wochen davon habe ich mich ausschließlich flüssig mittels Eiweiß-Shakes ernährt. Zur Belohnung darf ich nun seit 8 Wochen wieder etwas essen. Das „etwas“ ist allerdings mehr als bescheiden. Ich, der ich früher mühelos ein 750 gr. Steak, oder 20 Käsnudeln verdrücken konnte, bescheide mich nun mit 100 gr. Steaks, die mir so winzig vorkommen, dass ich sie früher eher unter Kochabfall denn unter Nahrungsmittel eingeordnet hätte. Drei Käsnudel sind auch nicht abendfüllend, genau so wenig wie die drei mikrodünnen Scheibchen Jerome-Käse, oder die immerhin acht Kirschen. Obwohl der Weg steinig war und ist, ist er doch von Erfolg gekrönt. 38 Kilo weniger, das kann etwas! Wer sich davon überzeigen will, der möge die Fotos auf dieser Site betrachten. Wenn es nach mir geht, sollen es sogar 40, vielleicht sogar 41 Kilo weniger werden. Wie auch immer, ich biege allmählich auf die Zielgerade ein. Selbst wenn ich kein Gramm mehr abnehmen sollte, ich habe es geschafft.

Neben einem neuen Körpergefühl ist mir übrigens die Bewunderung meiner Umwelt gewiss. Mir eher fremde Menschen klopfen mir auf die Schulter, und loben mich, dass es mir manchmal schon peinlich ist. „Ich könnte das nie!“, ist der wohl meistgehörte Satz den ich in den letzten Wochen zu hören bekam. Dabei kam mir das Abnehmen gar nicht so arg vor. Dann und wann erinnere ich mich aber an einen Zeitgenossen, der mir das Abnehmen in regelmäßigen Abständen vermieste: den inneren Schweinehund. Der versteckt sich in ganz unterschiedlichen Gestalten. Einmal kommt er als „ich kann auf Schokolade unmöglich verzichten“ daher, ein anderes Mal unter „wenn ich nicht meine Mailänder-Salami bekomme werde ich ungenießbar“. Ich sage Euch, auf alles kann man verzichten, wenn man nur will. Und: lieber ein paarmal „Nein“ zu Schokolade und Co., dafür aber länger auf Erden mit seinen Lieben.

Und was hat das mit der Verwaltungsreform zu tun? Auch dort ist es höchste Zeit sich vom inneren Schweinehund endlich zu verabschieden. „Hauptsache wir gewinnen die nächste Wahl“, „das kann ich unserer Klientel nicht zumuten“, „das ist ein gefundenes Fressen für die Opposition“, „Hauptsache unserem Bundesland geht es gut“ und „da kann ja jeder kommen“ sind die Schokolade, das 750 gr. Steak und die Käsnudeln der Politik. Es ist endlich Zeit für Schonkost und Gemüse, für Obst und weniger Fett. Denn wenn wir nicht bald die Reißleine ziehen und uns besinnen, wird es ein bitteres Erwachen geben.

Und wie soll das gelingen? Ganz einfach: Unsere Politiker sollten nicht das oft strapazierte „Yes, we can“ zitieren, sondern „Yes, I can“. Denn das ist das wahre Gift das den inneren Schweinehund vertreibt.

Vom Feldherren zum Eremiten

Ich sage es frei heraus: ich war für das Österreichische Bundesheer untauglich. Der Grund für die bundesheerlichen Ablehnung mir gegenüber war, dass ich als Kind unter Epilepsie litt. Eine Krankheit die übrigens auch Julius Cäsar und Napoleon hatten. Ob die wohl auch für das Bundesheer untauglich gewesen wären? Immerhin waren sie doch recht erfolgreiche Feldherren. Mir jedenfalls war die Karriere als Feldherr damit verbaut, was mich übrigens damals, wie heute, nicht ärger kränkte.

Dennoch konnte ich über Jahrzehnte beweisen, dass auch in mir ein großer Feldherr steckt. Denn die Schlachten am kalten (und auch warmen) Buffet habe ich alle gewonnen. Und wie weiland Cäsar und Napoleon habe ich mich dabei als gevifter Taktiker erwiesen. So habe ich mich immer so gesetzt, dass die Aufmarschwege zur Front (also zum Buffet) möglichst kurz waren. Ich hatte auch stets das rechte Gespür für den richtigen Zeitpunkt zum Angriff. Nach dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm“ habe ich oft einen wahren Blitzkrieg gestartet, ganze Legionen an „Feinden“, also Nahrungskonkurrenten, stehen gelassen, und zugeschlagen während andere noch den Gastgebern applaudierten. Ich wusste auch stets meine Waffen richtig einzusetzen. Der Umgang mit Messer und Gabel war mir von Kindesbeinen an vertraut, ja ich kann bis heute auch mit exotischem Esswerkzeug wie, Hummerzangen und Schneckengabeln recht gut umgehen. Wie jeder große Feldherr habe ich mich auch gerne des Nachwuchses angenommen, ich wurde oft und gerne um meine Expertenmeinung gebeten, wie denn etwas zu knacken, tranchieren, kredenzen und zu verzehren sei.

Das alles ist lange her. Mittlerweile gehe ich bekanntlich allen Schlachten um Buffets aus dem Weg und nuckle wie ein alter Eremit nur noch am Wasser, manchmal auch am ungesüßten Tee. Wie alle Menschen die sich kasteien habe ich die Erfahrung gemacht, dass fasten ungemein die Sinne schärft. Und so beobachte ich viele Zeitgenossen sehr genau, die seelig vor sich hinschlemmen, ohne schlechtem Gewissen, dass sie ob ihrer Figur eigentlich haben sollten. Da ist etwa jene Dame, die hinter einem unglaublich großen Grillteller mit einem Berg Pommes Frittes sitzend, sich beidhändig das Essgut hineinschiebend, mit vollem Mund zu  mir meinte: „Isch bewondere disch, so scher. Ich könnte das nie (stopf) so lange auschhalten (stopf). Dasch ischt echt eine Leischtung (stopf).“ Verhöhnung des Gegners nennt man das, glaube ich. Ein anderer erzählt mir, dass er in der Fastenzeit ebenfalls fastet: „Ich trinke in der Fastenzeit keinen Tropfen Alkohol und esse viel weniger.“ Sprachs, und bestellte sich eine Riesenportion Cevapcici mit Pommes Frittes und dazu ein herrliches Glas Bier. „Ich habe schon einen Kilo abgenommen!“ Nach dem Besuch des Örtchens, oder davor? Und schließlich gibt es noch die, die dasselbe Programm wie ich gemacht haben und froh sind, dass sie überlebt haben. „Ich habe davon eine Nierenkolik bekommen.“ Ich rate davon ab, weil davon bekommt man Gichtanfälle, eine unreine Haut und Kreislaufprobleme.“ „Ist denn das gesund so viel abzunehmen?“ Als ob übergewichtig durchs Leben gehen gesund wäre. Ich jedenfalls habe keine Probleme. Im Gegenteil, ich bin in der Form meines Lebens und drauf und dran das Match meines Lebens zu gewinnen. Nach Feldherr und Eremit werde ich dann vielleicht Essens-Philosoph. Das ist sicher eine Marktlücke und vielleicht sogar noch gut bezahlt.

Foto: get directly down